Mittwoch, 31. Dezember 2014

Gender Mainstreaming Jahresabschluss-Quiz: Wer hat’s gesagt?

Weil in diesem und in den Jahren zuvor soviel Irreführendes zu Gender Mainstreaming zu lesen war, bieten wir zum Jahresende ein Ratespiel an. Das erweitert hoffentlich den Horizont für das Jahr 2015. 

Bitte ordnen Sie die unten stehenden Aussagen den folgenden Quellen zu: 

a) AfD      b) NPD     c) Pegida     d) F.A.Z.

A) „(...) das sogenannte Gender Mainstreaming, bringt bisher kaum zu kalkulierende Konsequenzen mit sich. Die Gender-Ideologen behaupten, daß es die Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht gibt, daß Geschlechter lediglich sozial konstruiert seien.“

B) „Kinder sind seit Jahren die Versuchsobjekte der Gender-Theorie. Das wird von deren Befürwortern sorgsam vernebelt. Dabei ist Information über die Folgen des „Gender-Mainstreaming“ auch bei der Kinderbetreuung und der Sexualerziehung das gute Recht der Eltern.“

C) „Schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen (sog. gender mainstreaming), sind sofort zu beenden.“

D) „XXX ist gegen dieses wahnwitzige "Gender Mainstreaming", auch oft "Genderisierung" genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!“


Die Auflösung finden Sie weiter unten. Um die Aussagen nicht so stehen zu lassen, hier jedoch noch inhaltliche Anmerkungen zu den sachlichen Fehlern in den Zitaten: 

1. „Die Gender-Ideologen behaupten, daß es die Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht gibt“ ist falsch. Die Geschlechterforschung befasst sich mit der Herstellung und den Ausformungen von Geschlechterunterschieden, die es natürlich gibt (die aber immer auch mit weiteren gesellschaftlichen Unterschieden verwoben sind, zum Beispiel Alter, Migrationshintergrund, ...). Nur dass es in demokratischen Gesellschaften eine „natürliche Ordnung“ der Dinge geben soll, die bitteschön nicht verhandelbar ist, das wird in der sozialwissenschaftlichen Geschlechterforschung fürwahr bezweifelt.  

2. „Kinder sind seit Jahren die Versuchsobjekte der Gender-Theorie.“ Diese Aussage ist unverschämt und wird nicht belegt. Gender Theorien befassen sich mit gesellschaftlichen Geschlechterverhältnissen. Gender-Theorien waren Teil meiner Promotion (in Politikwissenschaften). Kinder kommen in meiner Dissertation nicht vor. (Die Verfasserin dieses Zitats ist aber sicher fest davon überzeugt, dass sich hier um eine perfide Vernebelungstaktik handelt – ziemlich wahnwitzig, das). 

3. „Schädliche, teure, steuerfinanzierte Gesellschaftsexperimente, die der Abschaffung der natürlichen Geschlechterordnung dienen...." - siehe oben zum Thema "natürliche Ordnung". 

4. „...’Gender Mainstreaming’, auch oft ‚Genderisierung’ genannt, die nahezu schon zwanghafte, politisch korrekte Geschlechtsneutralisierung unserer Sprache!
Das sind drei unterschiedliche Sachverhalte:
- Gender Mainstreaming als Organisationsstrategie zur Herstellung der verfassungsgemäßen tatsächlichen Gleichberechtigung von Frauen und Männern (siehe dazu auch Klartext zu Gender Mainstreaming)
-  „Genderisierung“: Wird auch in der Gender-Theorie kritisiert. Bitte erst einmal lesen: Undoing Gender (Judith Butler)
- Geschlechtsneutralisierung „unserer“ Sprache. Das ist auch meine Sprache und ich spreche lieber geschlechtsneutral als geschlechtsparteiisch. Dies können aber von mir aus alle Sprechenden so handhaben, wie sie es gerne möchten. Die Forderungen nach einer neutralen Sprache gab es schon lange bevor Gender Mainstreaming hierzulande als Fachbegriff eingeführt wurde. Das eine hat auch nur bedingt mit dem anderen zu tun. 

Infos und Beispiele zu Gender Mainstreaming gibt es bei der Bundeszentrale für Politische Bildung



Hier die Auflösung:

Zitat A) - b) Landtagswahlprogramm der NPD Brandenburg vom Mai 2012. 
Url: http://npd-brandenburg.de/?page_id=1053

Zitat B) - d) Heike Schmoll im Beitrag der F.A.Z. vom 11.11.2014: „Gender Mainstreaming. Das gute Recht der Eltern“ (Kommentar). 
Url: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gender-mainstreaming-das-gute-recht-der-eltern-13258831.html (Die Verfasserin ist zuständig für den Bereich „Bildungswelten“ der F.A.Z.)

Zitat C) – a) Björn Höcke, Spitzenkandidat der AfD Thüringen zur Landtagswahl am 14. September 2014. 
Url: http://afd-thueringen.de/2014/06/10-thesen-fuer-den-freistaat-thueringen/

Zitat D) - c) aus dem 19 Punkte Papier der Pegida (Punkt 17).


(Alle Links abgerufen am 31.12.2014)

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Gleichstellungspolitisch tolles Berlin

Es ist nicht alles schön und gut in Berlin. Die Stadt wurde viel gescholten für das BER-Desaster.  Sie ist eine ewige Baustelle. Sie hat einen öffentlichen Personennahverkehr, der Pünktlichkeit zur Glücksache macht. Aber heute soll das Gemeckere zurückstehen, denn: ich lebe mit Begeisterung in einer Stadt, die so ein tolles gleichstellungspoilitisches Leitbild hat. Die Regierung hat es im April diesen Jahres beschlossen. Die zehn Leitsätze decken verschiedene Lebensbereiche ab und geben eine Perspektive, wie es denn einmal sein könnte.
Da heißt es jetzt: Umsetzen - und am besten so flott wie möglich...