Freitag, 28. November 2014

"Selbstdisziplinär"? Der Deutsche Werberat und wie er die Welt sieht

Neulich schlug mir dieser Aufsteller in einer Tankstelle entgegen:



Auf meine Beschwerde reagierte der Deutsche Werberat wie folgt:
"Sehr geehrte Frau Frey,
wir nehmen Bezug auf Ihre Beschwerde vom 22. November 2014 und teilen Ihnen mit, dass die von Ihnen kritisierte Werbemaßnahme bereits Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens vor dem Deutschen Werberat war. Nach Überprüfung der Werbemaßnahme hat dieser sich im Ergebnis gegen eine Beanstandung entschieden.
Der Deutsche Werberat, die selbstdisziplinäre Einrichtung der deutschen Werbewirtschaft, beanstandet eine werbliche Maßnahme dann, wenn sie gegen die herrschenden gesellschaftlichen Grundüberzeugungen verstößt. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn eine Werbung einen diskriminierenden oder herabwürdigenden Inhalt aufweist. Der von Ihnen kritisierte Werbeaufsteller zeigt eine Frau, deren Brust- und Schambereich von Produkttüten überlagert wird. Der in Verbindung mit dem Bild verwendete Slogan „Feed your wild side“ ist sehr allgemein gehalten und richtet sich an Frauen wie an Männer. Anders verhielt es sich übrigens im Jahr 2010: Der damals ebenfalls in Zusammenhang mit dem Werbemotiv verwendete Werbetext „Ein Mann. Ein Snack“ wurde von dem Unternehmen nach Intervention des Werberats geändert.
Sicherlich wird die Frau vorliegend als „Blickfang“ benutzt, um die Aufmerksamkeit der Betrachter zu erlangen, daher stellt diese Art der Bewerbung einen Grenzfall dar. Dennoch sind wir der Ansicht, dass dies nicht in einer demütigenden Art und Weise geschieht oder Frauen hierdurch auf ihre rein sexuelle Funktion reduziert würden." 
Hier meine öffentliche Antwort:
 In den den letzten "Abschließenden Bemerkungen" zum Bericht der Bundesregierung zur Umsetzung der Konvention zur Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) meint der Ausschuss der Vereinten Nationen:
 „Außerdem ist der Ausschuss besorgt über die anhaltende sexistische Werbung und über die Unzulänglichkeit des von der Werbeindustrie zur Annahme und Bearbeitung von Eingaben wegen sexistischer Werbung eingesetzten Deutschen Werberats“ (S. 7).

Diese Aussage hat der Werberat durch den Umgang mit meiner Beschwerde nun tatsächlich trefflich bewiesen. Vielen Dank für diese Steilvorlage, denn der nächste CEDAW-Bericht steht an und wir schauen einmal, ob aus dem "selbstdisziplinären" Rat ein interdisziplinäres und auch unabhängiges Gremium werden kann. 
Denn wer nicht erkennen kann, dass diese Werbung sexistisch ist, hat dann doch ein ziemlich verschrobenes Weltbild.


<a href=”http://werbung.pinkstinks.de/><img src=”https://werbung.pinkstinks.de/wp-content/uploads/2014/06/badgebanner-01.png” alt=”Schluss mit Sexismus in der Werbung” width=”305″ height=”255″></a>