Montag, 29. Juli 2013

Exzesse des Gender-Marketing – Teil 2: Senf!



Neulich in einem großen Lebensmittelgeschäft in Bernau:  Auf der Einkaufsliste steht unter anderem Senf. Die erschlagende Warenvielfalt macht die Kaufentscheidungen nicht unbedingt einfach, es gibt Senf in gefühlten 80.000 Variationen. Da entdecke ich tatsächlich „Männersenf“ und „Frauensenf“.   Die Inhaltsstoffe sind nahezu identisch, der Senf für Frauen wird jedoch als „scharf“ deklariert (siehe Abbildung).



Das wirft Fragen auf:

  •  Haben Frauen und Männer tatsächlich einen unterschiedlichen Senfgeschmack (und wurde das von der Firma Tons empirisch erhoben)?
  •  Will die in Pt. 1 genannte Firma den orientierungslosen Käuferinnen und Käufern einfach die Entscheidung einfacher machen? Oder um was geht es hier?
  • Wie verkaufen sich Frauen- und Männersenfe denn so?
  • Wieso gibt es kein Frauensenfregal (vorzugsweise in pink mit pikanter Note und geschwungenen Schriftzügen) und ein Männersenfregal (in satt dunkel gehaltenen Farbtönen mit möglichst markanten Schriftzügen)?
  • Wenn es selbst beim Senf eine Geschlechterdifferenz geben soll: Wäre es dann nicht konsequent den ganzen Supermarkt in Frauen- und Männerprodukte bzw. -abteilungen einzuteilen - so ähnlich wie in der Bekleidungsbranche?
Da ich diese Geschlechterdramatisierung merkwürdig finde, greife ich einfach zu dem Senf, der bodenständig als „mittelscharf“ ausgewiesen wird und dessen Verpackung zudem nach Gebrauch  als formschönes Trinkgefäß dienen kann. Haben schon meine Eltern gerne gekauft. 



P.S.: Informationen zum Thema geschlechts- und alterbezogene Unterschiede beim Essen und Trinken gibt es in der Verzehrsstudie II (2008).