Samstag, 29. Dezember 2012

Exzesse des Gender-Marketing: Geschlechtersegregation bei Piper

Weihnachtszeit ist Buchzeit. Das weiß auch der Piper-Verlag, der kurz vor dem Fest im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung zwei große Anzeigen schaltete. Und zwar eine für Frauen und kurz dahinter eine für Männer. „Die besten Bücher zum Verschenken“ werden feilgeboten und zwar einmal auf rotem Hintergrund „für mutige Frauen“, „für beste Freundinnen“ und „für liebe Verwandte“. Jeweils vier Romane in drei Weihnachtskugeln - ausschließlich von Autorinnen. Auf blauem Hintergrund gibt es auch drei Weihnachtskugeln: „Für Fernsüchtige“, „für Geschichtensammler“ und „für Enthüllungsspezialisten“. Es werden hier jeweils vier Bücher (hier deutlich mehr Sachbücher) ausschließlich aus der Feder von Männern beworben. Während sich in der Frauen-Anzeige Titel wie „Kuckucksmädchen“ und „Die Frau mit dem Hund“ finden und es ziemlich schnulzt („Die Landkarte der Liebe“ und „zu zweit tut das Herz nur halb so weh“), geht es bei den Jungs zwar nie direkt um Männer, aber um Fußball (Theo Zwanziger) und die katholische Kirche (gleich zwei Päpste kommen vor). Romantisch wird es hier hingegen nur bedingt: „Vier Arten, die Liebe zu vergessen“.  
Wir kennen das ja bereits von der Spielzeugindustrie, rosa Barbies für Mädchen und Plastik-Knarren für Jungs. Aber nun auch noch eine Geschlechtertrennung des Buchmarktes? Es mag ja sein, dass Frauen und Männer teilweise unterschiedliche Bücher kaufen und lesen (siehe auch Post zu Frauen- und Männerromanen). Aber ist es wirklich notwendig, diesen Trend durch rigides Gender-Marketing zu dramatisieren? Lieber Piper-Verlag, mein nachweihnachtlicher Wunsch: Bitte verschone uns Erwachsene doch vor plumper Geschlechtersegregation und verlege lieber ein paar mehr gute Bücher. 

Meine Leseempfehlung für das Jahr 2013 ist jedenfalls alles von Arno Geiger (dtv). Toller Autor, der jenseits Geschlechter- und sonstiger Klischees schreiben kann.

Quelle: Anzeigen des Piper-Verlages in der Süddeutschen Zeitung vom 22./23.12.2012 auf den Seiten 19 und 21.