Sonntag, 19. August 2012

Wenn zwei das Gleiche tun – Teil 5: Steuern hinterziehen


Die britische Regierung hat 20 Personen, die Steuern hinterzogen haben sollen, virtuell an den Pranger gestellt (http://www.flickr.com/photos/hmrcgovuk).  
Dieser Personenkreis besteht mehrheitlich aus Männern – eine einzige Frau ist in der Galerie der Steuerflüchtigen zu sehen – und die wirkt, als könne sie kein Wässerchen trüben. Sie soll 38 Jahre alt sein, auf dem Foto sieht sie wesentlich jünger aus. Die Süddeutsche Zeitung hat die Bilder in ihrem Wirtschaftsteil der Wochenend-Ausgabe abgedruckt (S. 26); im Text wird nur auf drei der 20 Beschuldigten eingegangen, darunter auf Emma Elisabeth Tazey (http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fahndung-britischer-behoerden-steuerhinterzieher-stehen-am-digitalen-pranger-1.1444081).
Schauen wir im Netz nach, wird es gendermäßig interessanter. Zu ihrem Fall steht hier: “Tazey is wanted in connection with Gordon Arthur, another on the Most Wanted list. In March 1999 UK Customs detected 7 million illegally imported cigarettes with a duty and VAT value £1.16 million. A further 21 seizures of alcohol and tobacco were identified which can be attributed to Arthur, with a duty value exceeding £5.5 million and a revenue loss nearer £15 million. In February 2000 Tazey broke her bail conditions and absconded; a warrant for her arrest was issued.” (http://www.flickr.com/photos/hmrcgovuk/7787497944/in/photostream, Hervorhebung R.F.).
Aha, “in connection with Gordon Arthur”, da schauen wir doch mal bei dem 60jährigen Herrn Arthur nach. Und nun steht da interessanterweise nicht „in connection with Emma Elizabeth Tazey“, sondern ein fast identischer Text ohne den anfänglichen Verweis auf eine andere Person in der Most Wanted-Liste.
Warum eigentlich nicht? Kann sich die Steuersünderin nur durch den Steuersünder ableiten? Wird hier bereits nahegelegt, wer die Strippen zog? Sind Frauen eher die Helferinnen der mehrheitlich männlichen Steuersünder? Oder kommen sie nicht so stark in Versuchung Steuerdelikte zu begehen, da sie im Schnitt über weniger Einkommen verfügen? Oder hinterziehen sie genauso kräftig Steuern und lassen sich dabei nicht so oft erwischen? Oder schaut die Justiz bei Frauen nicht so genau hin? Alles Spekulationen (Hinweise auf empirische Studien dazu sind gerne willkommen). 

Was wir wissen: Der gleiche Sachverhalt, wird hier unterschiedlich dargestellt. In der SZ ist Emma Elisabeth Tazey eine eigenständig Handelnde, deren Fall hervorgehoben wird, zumal ohne den Verweis auf den Co-Beschuldigten Arthur. Die Steuerbehörde selbst schafft durch ihren einseitigen Querverweis den Eindruck, Tazey sei Mittäterin. Wer unterliegt nun wohl dem stärkeren gender bias – die SZ oder die britische Steuerbehörde?