Freitag, 18. Mai 2012

Post-gender auf Süddeutsche?

Heute auf der Titelseite der Süddeutschen Zeitung: „Frankreichs Kabinett ist weiblich“. Im landläufigen Verständnis werden Personengruppen, die (ausschließlich) aus Frauen bestehen, als „weiblich“ bezeichnet. Nicht so bei der SZ: Bei „weiblich“ ist diejenige Hälfte des Kabinetts, die aus Männern (immerhin 17 der insgesamt 34 Ministerinnen und Minister) besteht, einfach mitgemeint. Aber dieser so innovative „post-gender“-Ansatz war wohl doch eher dem Zwang eines sparsamen Zeichenverbrauchs bei Überschriften in einer Spalte geschuldet. Und noch mehr: „Eines der Schwergewichte neben Premier Jean-Marc Ayrault ist Außenminister Laurent Fabius“. Schlussfolgerung eins: Für das Berufsfeld Spitzenpolitik gibt es nun in Frankreich vergleichsweise viele Frauen, aber alle doch eher „leichtgewichtig“? Und dass es mit dem post-gender dann doch nicht so weit her ist, zeigt die letzte in der Meldung enthaltene Information. Das (ach so weibliche) Kabinett beschloss auf der ersten Sitzung sich gleich einmal die Gehälter um 30 Prozent zu kürzen. Schlussfolgerung zwei: Je mehr Frauen, desto weniger Geld?
Genug gemeckert, die gute Nachricht: Frankreichs höchste Polit-Posten sind geschlechterparitätisch (dieses Wort hätte auch noch in die Spalte gepasst, liebe SZ) verteilt und auch ansonsten recht heterogen hinsichtlich des Migrationshintergrundes und des Alters. Das macht noch lange keine gute Regierung aus, aber mit Seitenblick auf unsere Bundesregierung rufe ich: Vive la France!
(Alle Zitate aus der Printversion der Süddeutschen Zeitung vom 18.05.2012, Seite 1, rechte Spalte).