Dienstag, 29. März 2011

Wenn zwei das Gleiche tun – Teil 1: Fußball spielen

Willkommen zur kleinen Serie „Wenn zwei das Gleiche tun...“. Es wird hier kleine Beiträge zu verschiedenen Tätigkeiten geben. Wir beginnen mit „Fußball spielen“ (obwohl es ja für die Frauenfußball-WM noch ein bisschen früh ist). Es geht dann weiter mit „einen Roman schreiben“, gefolgt von „eine Leitungsfunktion ausüben“. Zur Abrundung gibt es dann noch etwas zum Thema „einen Friseursalon besuchen“. Das sind zwar ziemlich unterschiedliche Dinge; an all diesen Feldern kann aber schön erklärt werden, was ein „Male Bias“ ist. Also eine Wirklichkeitsverzerrung zugunsten einer Vorstellung, die Männliches als Normalität sieht und Weibliches als Abweichung davon. Wir meinen da ja längst drüber weg zu sein. Naja, wir werden’s sehen.  

Also, Teil 1: Fußball spielen
Als ich vor eine paar Jahren eine Moderation für den Deutschen Olympischen Sportbund machte, sprach der DFB Präsident Zwanziger unter anderem zum Thema „Frauenfußball“. Als darin die Vokabel „Männerfußball“ vorkam, war ich irritiert, denn: Diesen Begriff gibt es eigentlich nicht. Es gibt entweder Fußball oder Frauenfußball (und manchmal sogar Damenfußball). Daran wird auch die Frauenfußball WM in diesem Jahr kaum etwas ändern. Und, dass Frauenfußball explizit als solcher bezeichnet wird, während die Herren eben ganz normal Fußball spielen, wird durch einen Blick in die Geschichte vollkommen nachvollziehbar. Denn der DFB untersagte im Jahr 1955 Frauen die Ausübung dieser Sportart unter seinem Dach. Begründung: "Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand." (DFB Jahresbericht 1955, Quelle siehe unten). Diese verschrobene Moralvorstellung finden wir heute unweigerlich extrem komisch. Heute setzt sich der DFB sogar für die Frauenfußballerinnen ein - was bleibt den Funktionären auch übrig, denn "wir" (äh wer?) sind ja Weltmeisterin…. Noch komischer ist aber, dass wir es immer noch nicht komisch finden, wenn es trotz WM und Weltmeisterin immer noch Fußball (und immer zur besten Sendezeit) und Frauenfußball gibt. Deswegen ein Vorschlag zur subversiven Diskursverschiebung: So lange es Frauen-Fußball gibt, sollte der von Männern ausgeübte „normal-Fußball“ nur noch explizit als "Männerfußball" (oder gerne auch als "Herrenfußball") bezeichnet werden. 
 Wenn die Frauen weiter so super spielen, muss der DFB ohnehin eines Tages die Geschlechtertrennung ganz aufheben und wir bekommen endlich Uni-Sex-Fußball. Dann schaue sogar ich Fußball-WM, versprochen. 

Quelle des Zitats: Sehr schönes Dossier der Bundeszentrale für politische Bildung von Eduard Hoffmann und Jürgen Nendza „Die graue Spielzeit - Der DFB verbietet von 1955 bis 1970 Frauenfußball“ URL: http://www.bpb.de/themen/6YYRO3,0,0,Die_graue_Spielzeit.html

Lesetipp: Müller, Marion (2006): Geschlecht als Leistungsklasse. Der kleine Unterschied und seine großen Folgen am Beispiel der "gender verifications" im Leistungssport. In: Zeitschrift für Soziolgie 35, Heft 5, S. 392-412.