Dienstag, 29. November 2011

November: Monat der Männertage

Ein Vertreter einer Männerorganisation hat mir neulich vorgeworfen, ich als „Gender-Gewinnlerin“ (O-Ton!) würde mich nicht ausreichend um die „spezifischen Belange von Männern“ kümmern.
Dem möchte ich an dieser Stelle entschieden widersprechen und zum Zeichen meiner Männerzugewandtheit gleich einen ganzen Blogbeitrag ausschließlich über Männer schreiben. (Wobei darauf hinzuweisen wäre, dass ich noch keinen einzigen Beitrag ausschließlich über Frauen geschrieben habe, da das ja auch gar nicht mein Ansatz ist, weil ich ein eigentlich identitätskritisches Gender-Konzept vertrete - aber sei’s drum).
Also: In diesem Monat gab es gleich zwei Weltmännertage. Ich hätte es auch nicht gewusst, wenn ich nicht Anfang des Monats zufällig im Deutschlandfunk einen satirischen Beitrag zum Weltmännertag (03.11.) gehört hätte. Daraufhin habe ich auf Wikipedia nachgesehen und festgestellt, dass es auch noch den internationalen Männertag (19.11.) gibt. Hierzu heißt es: „Der internationale Männertag wird in Trinidad und Tobago, Jamaika, Australien, Indien, den Vereinigten Staaten, Singapur, Malta, Südafrika, Ungarn, Irland, Ghana, Deutschland, Österreich, Kanada und Dänemark am 19. November begangen. Unterstützung für diesen Tag ist weit verbreitet.(..) Er ist nicht zu verwechseln mit dem Weltmännertag.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_M%C3%A4nnertag). (Völlig unangemessen und grob unfair ist es übrigens, dass der Männertag den 19.11. mit dem Welttoilettentag teilen muss: http://de.wikipedia.org/wiki/Welttoilettentag.)  

Während die Themen des internationalen Männertages eher breit aufgestellt sind, geht es beim Weltmännertag vor allem um mehr Bewusstsein zu Gesundheitsfragen von Männern: In den Informationen zum Männertag ist zu lesen, dass Männer im Schnitt eine um sieben Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen haben. (Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Weltm%C3%A4nnertag). Aber es besteht Hoffnung, denn dieser Unterschied ist nicht angeboren (also es hängt kein „stirb-früher“ Gen am Y-Chromosom oder so) und das heißt: Männer können sich aus ihrer selbst verschuldeten Kurzlebigkeit befreien. Je nach Land gibt es hier nämlich erhebliche Schwankungen: Laut WHO haben in Russland Männer im Schnitt eine 12 Jahre geringere Lebenserwartung als Frauen. In Deutschland beträgt der Unterschied sechs Jahre und in Schweden nur vier Jahre (World Health Statistics 2010, Zahlen von 2008 http://www.who.int/whosis/whostat/EN_WHS10_Full.pdf). Ich will ja hier keine voreiligen Schlüsse ziehen, aber wenn ich Russland so mit Schweden vergleiche, steht Letzteres doch als gleichstellungspolitisches Musterländle da. Wenn ich jetzt ein paar Ursachenbündel ausblende, komme ich zu einem einfach bestechenden Ursache-Wirkungs-Zusammenhang: Männer, tut was für Eure Gesundheit indem Ihr Euch für Gleichberechtigung einsetzt! Vielleicht werdet auch Ihr eines Tages "Gender-Gewinnler". Und das sei Menschen jedes Geschlechts von Herzen gegönnt. 

Freitag, 11. November 2011

Bloggerinkollegin Maria Wersig zum Betreuungsgeld

Es ist gerade so viel los, dass mir nur Zeit bleibt mich am Rande über tagespolitische Ereignisse zu ärgern. Zum Beispiel die Einführung des "Betreuungsgeldes", auch Herdprämie genannt. Maria Wersig hat dazu ganz hervorragend geschrieben, deswegen an dieser Stelle der Verweis auf ihren (auch sonst immer lesenswerten) Blog:
http://rechtundgeschlecht.wordpress.com/2011/11/10/betreuungsgeld-wer-hat-dem-wird-gegeben/

Montag, 3. Oktober 2011

Geschlechterverhältnisse bei den Piraten und sonstwo – Austausch mit Xander - Teil 2

Inzwischen ist es Oktober und die Korrespondenz mit Xander bleibt rege. Hier also Teil 2, dann müssen die geneigten Lesenden nicht so viel scrollen...

03.10.2011
Xander Dorn:
Hallo Regina,

wie angekündigt kommt nun meine ausführlichere Antwort. Ich denke, dass die meisten Mitglieder der Piratenpartei sich sehr oft ungeschickt ausdrücken, wenn sie mit dem Wörtchen „Gender“ konfrontiert werden. Das liegt meiner Meinung nach vorwiegend daran, dass diese mehrheitlich mit einem anderen Verständnis aufgewachsen sind und sich ihr Weltbild auch im Programm der Partei widerspiegelt. Das hatten wir beide bereits angesprochen. Ein anderer Faktor ist dann noch die mehrheitliche Medienunerfahrenheit, gerade unter Nicht-Vorstandsmitgliedern, aber auch das geringe Interesse, sich mit der Genderdebatte auseinanderzusetzen. Letzteres dürfte vorwiegend darin begründet sein, dass viele diese als abgeschlossen und obsolet ansehen und sich selbst nicht als diskriminierend betrachten. Es ist eine sehr egalitäre Bewegung, die jedoch medial oft anders dargestellt wird, als sie ist oder sich selbst sieht.
Es ist aber auch unbestritten eine Bewegung, die mehrheitlich von Männern getragen wird. Jetzt möchte ich aber einmal in den Raum werfen, dass Ursache und Wirkung hier nicht unbedingt so liegen müssen, wie dies meist von außen wahrgenommen wird. Die Piratenpartei wird gerne als Internetpartei ohne sonstige Themen dargestellt. Und wie Du schon sagtest, gibt es im IT-Bereich einen sehr starken Männerüberschuss. In der Piratenpartei sind sowohl im Vergleich mit der Bevölkerung als auch mit anderen Parteien überproportional viele Leute aus der IT-Branche bzw. noch in der Ausbildung befindliche IT-Experten aktiv. Dadurch konnte die Partei vor der Bundestagswahl 2009 als das Zugangserschwerungsgesetz vor allem Ursula von der Leyen und Wolfgang Schäuble, aber auch von Nicht-Unionspolitikern wie Herrn Wiefelspütz von der SPD, für mediales Aufsehen sorgte, enorm durch Fachwissen punkten. Es war also die große Koalition im Bundestag, welche die Netzpolitik auf die Bühne brachte und der Piratenpartei ihren gewaltigen Mitgliederzuwachs im Jahr 2009 bescherte. Zugleich wurde die Piratenpartei dadurch als Ein-Themen-Partei mit ausschließlichem Bezug auf das Internet dargestellt. Dieser Ruf haftet ihr noch immer an und viele aus dem IT-Bereich sind sicherlich auch gerade deshalb in die Partei eingetreten. Damit blieb der zahlenmäßige Männerüberschuss auch erhalten.
Für einen politisch interessierten Menschen muss also zuerst diese Hürde überwunden werden, sich mit einer als Internetpartei dargestellten Organisation überhaupt weiter zu beschäftigen oder zu dem Schluss zu kommen: „Das ist nicht meine Welt“. Wie es auch im Genderwiki mit Bezug auf entsprechende Studien richtig steht, wird das Internet stärker von männlichen Nutzern gebraucht. Warum das so ist, weiß und verstehe ich leider nicht, ich denke auch, dass es sich immer weiter ausgleichen wird. Dennoch ist auch das natürlich ein bekanntes Klischee. Das Internet wird mit männlich assoziiert, in Parteien sind ohnehin mehrheitlich Männer aktiv, keine der Parteien mit mehr Mitgliedern als die Piratenpartei bildet da eine Ausnahme. Dadurch wirkt die Kombination „Internetpartei“ erst recht wie eine Männerdomäne.
Kleine Zwischenbemerkung: Bei den Parteien mit weniger Mitgliedern als die Piratenpartei derzeit hat kenne ich die zahlenmäßigen Verhältnisse zwischen Männern, Frauen, LGBTI (Begriff zur Zusammenfassung von lesbian, gay, bisexual, transsexual, intersex) sowie Asexuellen nicht. Aber in den großen Parteien ist der Männerüberschuss bereits größer als die Gesamtzahl aller Mitglieder aller kleinerer Parteien zusammen.
Wenn dann noch wie nun eben besonders stark wieder seit der Abgeordnetenhauswahl in Berlin dieser Männerüberschuss sogar so negativ dargestellt wird, dass die Piratenpartei zusätzlich zu den eher abschreckenden Klischees als Ein-Themen-Partei und Internetpartei auch noch als frauenfeindliche Männerpartei publiziert wird, wird es schließlich umso unwahrscheinlicher, dass Frauen von sich aus versuchen würden, hinter diese Kulissen zu schauen oder sogar Mitglied in der Piratenpartei zu werden.

Ich war auf dem gestrigen Landesparteitag der Piratenpartei Rheinland-Pfalz. Dort habe ich zwar kein sex-counting durchgeführt, zumal es ggf. dadurch ungenau geworden wäre, dass Parteimitglieder und Gäste völlig durchmischt beisammen gesessen haben, aber auch so war deutlich, dass mehr Männer als Frauen anwesend waren. Gestört hat sich daran aber niemand. Es gab auch keinen separaten Frauentisch oder irgendeine andere Form von sichtbarer oder wahrnehmbarer Trennung. Stattdessen gab es Tische, für die der Vorsitzende des Landesverbands mit dem SWR vereinbarte, dass diese zum Schutz der Privatsphäre der dort Sitzenden nicht gefilmt werden.
Gleichstellung und Gleichberechtigung sind auch durchaus Thema, was, wie ich selbst gesehen habe, vor allem vom Rheinland-Pfälzischen Landesvorsitzenden Roman Schmitt vorangetrieben wird, der selbst beispielsweise auf verschiedenen Christopher Street Days aktiv ist. Die Repräsentation der Interessen von LGBTI scheint also in der Piratenpartei deutlich intensiver betrieben zu werden. Vielleicht auch gerade deshalb, weil dies anders als Ungleichheit zwischen Männern und Frauen noch als großes gesellschaftliches und rechtliches Problem betrachtet wird.
Siehe auch in diesem SWR-Video, besonders ab 3:30 : http://www.youtube.com/watch?v=AALK8COj07Y

Ich denke auch, dass es definitiv der Wille und ein Ideal der Piratenpartei ist, Gleichberechtigung und Gleichstellung zwischen allen Menschen herzustellen. Daher reagieren wohl auch viele Parteimitglieder mit einem verbalen Beißreflex in Form unhöflicher und beleidigender Kommentare, wenn sie sich als frauenfeindlich bezeichnet angegriffen fühlen. Ich will Beleidigungen nicht verteidigen, aber auf einer emotionalen Ebene halte ich solche Reaktionen für verständlich. Ich weiß auch, wie es ist, entsprechende Kommentare an den Kopf geworfen zu bekommen und mich kann ganz sicher auch nicht jeder Pirat leiden.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen findet bei der Piratenpartei noch nicht flächendeckend überall eine Mehrheit, wobei das zum Teil an unterschiedlichen Vorstellungen zum genauen Modell liegt. Aber ich stimme Dir voll und ganz zu, dass es eine sehr zu dieser Partei passende Forderung wäre, da es für mehr Gerechtigkeit im Einkommen sorgt. Ein weiterer Punkt, der dafür spricht, ist der Datenschutz, denn für ein BGE müssen weit weniger Daten staatlicherseits erfasst werden als dies bisher für das Arbeitslosengeld II, Kindergeld und Rente etc. getan werden.

Die Piratenpartei erfährt nun auch einen erneuten starken Mitgliederzuwachs. Auf dem Landesparteitag in Andernach verkündete der Generalsekräter einen Mitgliederzuwachs um mehr als 10% (ungefähr 60 Neumitglieder) für den Landesverband. In Berlin dürfte das noch weit stärker ausfallen. Damit kommen natürlich auch wieder neue Erfahrungen und Meinungen mit in die Partei und die Kontaktfläche zwischen der Subkultur der aktiven Parteimitglieder und der sonstigen Gesellschaft vergrößert sich. Wir werden also mal sehen, ob dadurch auch im Bereich der Genderdebatte neue Impulse in die Partei getragen werden, die für eine bessere Verknüpfung zwischen der Gesellschaft und der Parteiarbeit sorgen und umgekehrt einer größeren Zahl von Menschen in diesem Land das Ideal der Piratenpartei verständlich wird.

MfG
Xander



05.10.2011
Regina Frey
Hallo Xander,

also das mit dem „ungeschickt ausdrücken“ finde ich ja ein wenig verharmlosend. Schau Dir doch die Kommentare an, das ist nicht ungeschickt, sondern das sind schlicht verbale Angriffe, die dann nicht immer etwas mit einer sachlichen Auseinandersetzung zu tun haben. Du schreibst ja auch: „Daher reagieren wohl auch viele Parteimitglieder mit einem verbalen Beißreflex in Form unhöflicher und beleidigender Kommentare, wenn sie sich als frauenfeindlich bezeichnet angegriffen fühlen.“
Also das „frauenfeindlich“ stammt ja von SPIEGEL online und nicht aus dem taz Interview. Ich zitiere aber mal etwas, das ohne Mühe als „frauenfeindlich“ bezeichnet werden kann:
„Natürlich haben die Piraten kein Frauenproblem, die ganze Diskussion ist abwegig und nur Zeitvertreib für Unausgelastete. Wenn sich nun mal nicht genug Frauen für diese oft als "harte Themen" angesehenen technischen Aspekte interessieren, kann man sie ja nicht zwingen. Oder sollen die Piraten ihre Tagungsräume rosa streichen, Wolle, Stricknadel und Gala/ Bunte bereit legen?
Wenn die Piraten zur nächsten Bundestagswahl antreten und sich den globalen Themen stellen müssen, wie Mindestlohn, Eurofinanzierungsablehnung, Umweltpolitik werden wohl automatisch mehr Frauen kommen, da die Themen allgemeiner sind. Vielleicht aber auch nicht, da oftmals dort die meiesten Frauen zu finden sind, wo es oberflächlich und scheinkarrieremässig das meiste zu holen gibt, das ist aber eher in den mainstreamartigen Massenparteien der Fall, weniger mit engagierter, alternativer und ethisch moralischer Denke und Handeln, etwa bei den Piraten!
Kommentar von „Analyst“ am 4.10. und wortgleich von „Friedrich“ am 3.10. (Hervorhebung durch mich, Rechtschreibfehler schon im Text). http://taz.de/Politologin-ueber-Piratenpartei/Kommentare/!c78449/

Auf was ich im Interview hingewiesen habe, sind Ungereimtheiten in der Partei mit dem Thema. Das ist zum Beispiel, dass es eine Nähe der AG Männer der Piraten zu Organen und Organisationen gibt, mit denen sicher viele Piratinnen und Piraten auch nichts zu tun haben wollen. Und es ist ja schön, wenn sich die Berliner Piraten von der Männer AG distanzieren (http://www.freitag.de/community/blogs/kallewirsch/stellungnahme-der-berliner-piraten-zur-ag-maenner-und-frauenpraesenz). Aber es ist schon schwer nachvollziehbar warum auf einer Seite, über der die Piratenflagge prangt, verlinkt wird zu den allzeit gekränkten Scheidungsvätern und maskulinistischen Männerrechtlern. Denn egal wie jemand zu deren Positionen steht: die sind nun definitiv das Gegenteil von Post-Gender.
Was ich nicht verstehe: wenn so viele bei den Piraten das auch blöd finden und sich als post-gender definieren, warum kapert dann niemand diese Seite? Es gibt ja ziemlich viele Leute in der Partei, die eine ganz andere Haltung zum Thema haben und das gekränkte Feminismus-Bashing auch bescheuert finden?
Fazit: Also für mich stellt es sich so dar, dass die Partei Herausforderung zunächst mal darin besteht, eine klarere Position zum Thema zu entwickeln.

Dann zu Deiner Beobachtung von Ursache und Wirkung und der Aussage:
„Wenn dann noch wie nun eben besonders stark wieder seit der Abgeordnetenhauswahl in Berlin dieser Männerüberschuss sogar so negativ dargestellt wird, dass die Piratenpartei zusätzlich zu den eher abschreckenden Klischees als Ein-Themen-Partei und Internetpartei auch noch als frauenfeindliche Männerpartei publiziert wird, wird es schließlich umso unwahrscheinlicher, dass Frauen von sich aus versuchen würden, hinter diese Kulissen zu schauen oder sogar Mitglied in der Piratenpartei zu werden.“
Also ich glaube nicht, dass sich politisch Interessierte jeden Geschlechts, die sich mit den Inhalten einer Partei befassen und die gut finden, sich vom Männer- oder Frauenanteil abschrecken lassen. Wir wissen alle, wie unterschiedlich Männer und Frauen innerhalb ihrer „sozialen Geschlechtergruppe“ sind und ich sage ja gebetsmühlenartig es gibt nicht „die Männer“ oder „die Frauen“ - schon gar nicht, wenn es um konkrete Personen geht. Was ich aber schon glaube ist, dass es nicht wenige Personen gibt, die bei den Piraten das Auseinanderfallen von Anspruch und Realität wahrnehmen. Und die wahrnehmen, wie ein gewisses Umfeld in einen Wadenbeiss-Modus verfällt, wenn es z.B. um das Thema Gender geht. Das schreckt dann schon ab. Abschreckend ist nicht zuletzt der Dunstkreis, der die Piraten auf eine Weise verteidigt, die ihnen selbst eigentlich nicht recht sein kann (siehe Kommentar oben).

Zum Thema Queer und Gender bzw. LGBTI schreibst Du „Die Repräsentation der Interessen von LGBTI scheint also in der Piratenpartei deutlich intensiver betrieben zu werden. Vielleicht auch gerade deshalb, weil dies anders als Ungleichheit zwischen Männern und Frauen noch als großes gesellschaftliches und rechtliches Problem betrachtet wird.“ Ich finde es ja ein wenig schief, wenn es in Richtung „Diskriminierungsolympiade“ geht. Ist Geschlecht nun die Ungleichheitsfabrik oder sind es die oder ist es eine der LGBTI-Kategorien? Die Frage ist doch gar nicht stellbar, da Gender auch in den LGBTI queerläuft (lesbisch: weiblich, schwul: männlich, bi: männlich und weiblich begehrend, trans: von weiblich nach männlich oder umgekehrt, inter: weder noch und deswegen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt). In den Gender Studies wird Gender als intersektionale Kategorie gefasst. „Unter Intersektionalität wird die Analyse der Verwobenheit und des Zusammenwirkens verschiedener Differenzkategorien sowie unterschiedlicher Dimensionen sozialer Ungleichheit und Herrschaft in einer integrativen Perspektive verstanden.“  http://www.genderwiki.de/index.php/Intersektional. Auch hier gibt es Wissen und Inhalte, die durchaus zur Versachlichung der „Genderdebatte“ beitragen können.   

So, jetzt bin ich zwar nicht auf jeden Deiner Punkte eingegangen, aber doch auf das eine oder andere. Vielleicht lassen wir unsere Korrespondenz auch so langsam auslaufen, ich finde wir haben ja schon viel gesagt. Evtl. könnten wir den Faden noch einmal aufgreifen, wenn eines Tages ein konkreter Anlass besteht?
Beste Grüße
Regina

05.10.2011
Xander Dorn: 
Hallo Regina!

Ja, das war jetzt eine lange und intensive Konversation und ich denke, dass diese auch für jeden Leser viele Denkanstöße zu bieten hat. Daher war es auch sinnvoll, diese so öffentlich zur Verfügung zu stellen. Wir werden sicherlich auch beide weiter beobachten, wie es bei der Piratenpartei und in der Politik im Allgemeinen weitergehen wird.
Danke also für die Korrespondenz!
Xander

06.10.2011
Regina Frey
Ich bedanke mich auch bei Xander und bei allen, die unseren Gedankenpfaden gefolgt sind. Wir sind gespannt, wie es weitergeht mit den Piraten.

Donnerstag, 29. September 2011

Geschlechterverhältnisse bei den Piraten und sonstwo – ein Austausch mit Xander Dorn

Neulich erhielt ich eine freundliche Email von Xander Dorn als Reaktion auf das taz-Interview vom 21.09.11 zur Piratenpartei. (http://www.taz.de/Politologin-ueber-Piratenpartei/!78449/). Er fragte, was denn besser gemacht werden könne. Nun gibt es hierauf kein Patentrezept, die Frage fand ich aber sehr berechtigt. Wir haben nach zwei weiteren Mailwechseln beschlossen, unsere Korrespondenz öffentlich zu führen, um unsere Überlegungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Auf der Website von Xander Dorn ist das auch zu lesen: http://xanderdorn.net
Vorweg aber noch kurz zum taz-Interview. Die Überschrift „Antifeministen dominieren“ ist nicht sehr geglückt und wer das Interview genau liest, merkt, dass ich das so vereinfachend nicht gesagt habe, das und weiteres habe ich bereits selbst kommentiert. Die ernst zu nehmenden Kommentare zum Interview (das sind einige aber leider nicht alle) zielen auf interessante Fragen um die Kategorie Geschlecht. Wir werden diese Fragen sicher nicht alle besprechen. Aber eine kritisch-kontroverse Reflexion gibt evtl. ein paar Gedanken-Bausteine.
Hier also unsere Mails:

Xander Dorn am 22.09.:
„Sehr geehrte Frau Frey,
ich habe Artikel der TAZ sowie bei Spiegel Online gelesen, in denen Sie zum Thema "Frauen in der Piratenpartei" zitiert wurden. Daher möchte ich mich gezielt an Sie mit der einfachen, aber nicht einfach zu beantwortenden Frage wenden: Was kann man, auch in der Piratenpartei, besser machen?
MfG
Xander Dorn“

Regina Frey
„Hallo Herr Dorn,
Da gibt es leider keine kurze Antwort. Habe ja so einiges dazu veröffentlicht, auf meiner Website gibt es Links. Frage: sind Sie Pirat? Hatte gestern ein nettes Gespräch mit einem Piraten und wir haben vereinbart, dass ich mal zu einem Treffen komme. Sorry, dass ich hier nicht ausführlich werde, hatte aber einen langen Arbeitstag, der auch noch nicht vorbei ist.
MfG
R. Frey“

Xander Dorn
Hallo Frau Frey,
nein, ich bin kein Pirat. Aber ich finde es dennoch gut, dass Sie den Kontakt mit Piraten nicht scheuen.
Ich habe mich nun auch auf der Seite gender.de umgesehen und bin von dort unter anderem zum Gender-Manifest ( http://www.gender.de/manifest/GenderManifest01_2006.pdf ) gekommen, an dem offensichtlich auch Sie mitgearbeitet haben. Doch anhand dessen, was ich darin gelesen habe, bin ich eher erstaunt über Ihrer Kritik an der Piratenpartei. So beispielsweise dieses Zitat:
"Die Reduktion von Gender auf biologisches Mann- oder Frausein allerdings ist ein Beispiel für Doing Gender, das Geschlechterpolitik zu einem banalen Abzählen von weiblichen und männlichen Köpfen (also bloßem sex counting) werden lässt - egal, was in diesen Köpfen steckt, und egal, was diese Menschen verkörpern. Eine solche biologische Fundierung von Gender läuft mithin der Grundidee des Gender-Begriffs zuwider."

Dies entspricht doch von der zugrundeliegenden Forderung, dass es nicht darauf ankommt, wieviele Vertreter welchen biologischen oder auch gelebten oder empfundenen Geschlecht oder Nicht-Geschlecht, voll und ganz dem, was in der Piratenpartei gelebt und praktiziert wird. Im Gegensatz dazu werden Sie von der taz so zitiert:
"Regina Frey: Ja, großartig. Nur leider nicht real. Auf ihrer Berliner Landesliste ist unter 15 Personen eine Frau. Geschlecht als Kategorie ist offensichtlich sehr wirkungsmächtig in der Partei." (http://www.taz.de/Politologin-ueber-Piratenpartei/!78449/ )

In demselben Artikel heißt es ebenfalls von Ihnen:
"Ich versuche auch auf eine Welt hinzuarbeiten, in der es egal ist, ob man alt oder jung, groß oder klein, männlich oder weiblich ist. Wir sind aber leider noch nicht so weit. Und bis dahin brauche ich Geschlecht als Strukturkategorie, um zu verstehen, wo Diskriminierungen liegen und sie dann auch abzubauen."

In der Piratenpartei wird hier bereits ein Schritt weitergegangen indem das Geschlecht beispielsweise nicht einmal in der Mitgliederverwaltung erfasst wird. Selbst in der alltäglichen elektronischen Kommunikation über die Mailinglisten der Partei treten die meisten Beteiligten mit Nicknames auf, die keinen Rückschluss auf das Geschlecht oder die Identität der Person zulassen. Und auch mit jenen, deren Geschlecht bekannt ist, wird in derselben Art und Weise kommuniziert. Ist es nicht gerade eine solche Gleichbehandlung und Gleichberechtigung, die auch Sie anstreben?

Es gab eine große Genderdebatte innerhalb der Piratenpartei - maßgeblich vor und auf dem Bundesparteitag in Bingen. Damals wie auch nun in der medial wieder aufkochenden Debatte waren es allerdings nicht konservativ denkende Chauvinisten, die eine männliche Vormachtstellung in der Partei erhalten wollten, die dagegen wetterten sondern besonders viele weibliche Parteimitglieder, Homosexuelle und Asexuelle, die sich durch die Forderung nach Sonderbehandlungen diskriminiert fühlten.

Das Selbstverständnis der Piratenpartei ist, dass hier das Ideal einer Gemeinschaft ohne Diskriminierung aufgrund angeborener (z.B. biologisches Geschlecht, aber auch ethnische Herkunft), angenommener (z.B. sexuelle Orientierung), anerzogener (z.B. Geschlechterrolle) oder sonstiger irrelevanter Merkmale wie Beruf oder Bildungsgrad nicht nur politisch gefordert sondern auch aktiv gelebt wird. Die Piratenpartei hat dabei einen sehr jungen Altersschnitt - etwa die Hälfte ist 30 oder jünger - und damit in einer Gesellschaft aufgewachsen, in der beispielsweise die Frauenquote als weitgehend etabliert betrachtet wird. Wird nicht gerade durch das Leben einer gleichberechtigten Gemeinschaft der restlichen deutschen Gesellschaft ein Spiegel vorgehalten, dass dort auch durch gutgemeinte Entwicklungen und Forderungen negative Vorbehalte weiter in den Köpfen zementiert wurden?

MfG
Xander Dorn

Regina Frey¨
Hallo Herr Dorn,
leider hatte ich echt was zu tun diese Woche und es hat länger gedauert. Danke zunächst für Ihre Anmerkungen und Fragen, die auf ganz zentrale Punkte in den Gender-Studies verweisen. Deswegen hier eine längere Antwort:
Im Manifest steht, wie Sie richtig feststellen, dass das alleinige „Sex-counting“ - also das Zählen von biologischen männlichen und weiblichen Menschen die Gefahr in sich birgt, dass dualisierende Geschlechtermuster wiederholt werden, also das bloße Abzählen von vermeintlich weiblichen oder männlichen Menschen nicht ausreichend sei. Allerdings sagt das Manifest nicht, dass dieses Zählen überflüssig sei. Wichtig sei es: „…die vorherrschende Geschlechterdualität nicht zu affirmieren, sondern nach deren sozialen Herstellungsprozessen und Funktionsweisen in geschlechtshierarchischen Strukturen zu fragen: Wie wird „Geschlecht“ immer wieder neu als bipolares Muster sozialer Zuschreibung in einer monotonen Weise reproduziert, die Männer und Frauen komplementär aufeinander bezieht und in hierarchische Verhältnisse bringt?.“ (Frey/Hartmann/Heilmann et. al. 2006: 2, Hervorhebung durch mich). Wir beziehen uns im Manifest auf Judith Lorber, die das schöne Buch „Gender-Paradoxien“ (Lorber 1999) geschrieben hat. Sie sagt zum Beispiel: „Man muss bei Gender ansetzen, um Gender zu demontieren (Lorber 2004). Das heißt also: Der Begriff Gender kann mit zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht werden:
a)      als analytische Kategorie zur Erfassung von Ungleichheitsverhältnisse und
b)      als Beschreibung eines Zustandes im Sinne der gesellschaftlichen Geschlechterverhältnisse bzw. einer bestimmten Geschlechterordnung – die es zu überwinden gilt.
Dieses „Using Gender to Undo Gender“ (Lorber 2000) scheint zunächst widersprüchlich, ist aber recht logisch, denn Ungleichheitsverhältnisse müssen ja zunächst benannt werden, um überhaupt Strategien zu entwickeln wie Veränderung geschehen kann. Mich interessieren als Genderforscherin eigentlich gar nicht so sehr diese banalen Zahlen, die Frauen und Männer ins Verhältnis setzen, sie sind eher ein Aufhänger für den genaueren Blick. Denn spannend wird es ja eigentlich erst hinter den quantitativ abzählbaren Verhältnissen (die ja ein Symptom für eine bestimmte Genderordnung in der Gesellschaft sind).
Fragen, die ich also für eine „Gender-Analyse“ stellen würde, wären: Welche kurz- und langfristigen Ziele hinsichtlich Geschelchtergerechtigkeit hat die Partei und mit welchen konkreten Aktivitäten, Strategien und Instrumenten sollen diese erreicht werden? Welche (subkulturellen) Gendermuster werden bei den Piraten gelebt? Welche Organisationskultur gibt es und welche informellen Hierarchien bilden sich nach welchen Kriterien dann doch immer wieder aus? Wer spricht (in wessen Namen) und setzt sich durch? Welche Themen werden als wichtig erachtet und welche nicht? Inwieweit werden Themen auch in ihrer gesellschaftlichen Gender-Dimension diskutiert und bearbeitet? Werden Erkenntnisse der Gender-Studies (inkl. Männer- bzw. Männlichkeitsforschung) für die Arbeit genutzt, um Themen noch besser zu durchdringen und gute, ganzheitliche Lösungen zu erarbeiten?

Und das ist auch der Grund warum ich im taz-Interview eben NICHT einfach sage, es gibt zu wenig Frauen bei den Piraten, da muss jetzt mal eine Quote her. Ich sage, dass Geschlecht wirkungsmächtig ist und ich sage, dass eine Quote für die Piraten eben gerade nicht ziehen wird. Ich verweise stattdessen darauf, dass ein Blick auf die Geschlechtermuster bei den Piraten interessant wäre (und meine damit nicht ausschließlich die bestehenden quantitativen Männer- und Frauenquoten - Quote hier natürlich im Sinne von Bestandsgrößen).  
Das heißt, ich versuche mit einem Genderbegriff zu arbeiten, der sich auf keinen Fall auf „Frauen“ reduziert. In der Debatte und auch medial bestärkt ist das leider derzeit der Fokus. Ich denke Gender durchaus als verwobenes soziales Verhältnis. Es gibt nicht DIE Frauen und DIE Männer – soziale Schicht, Alter, Herkunft, sexuelle Orientierung u.v.m. kreuzen immer die Geschlechterverhältnisse. Deswegen besteht in den Gender Studies auch der Anspruch „Gender“ als interdependente Kategorie zu denken. Einige sagen dazu auch Gender und Diversity, aber Diversity ist meines Erachtens ein etwas belasteter Begriff (siehe z.B. http://www.gender-netzwerk.de/positionen/gender_diversity.htm). Und trotz diesem Anspruch an Komplexität ist es wichtig, sich hier immer wieder Ausschnitte genau anzuschauen. Für die Piraten ist der Befund doch schon interessant, dass der Männeranteil an Neuabschlüssen in neuen IT Berufen steigt: 1997 waren es 86,4 Prozent und 2009 waren es (hoppla) sogar 91,5 Prozent (Pimminger 2010: 13). Und eine Partei, die mehr Demokratie online machen möchte, sollte sich auch dafür interessieren, dass es der Gruppe der 60 bis 69jährigen um 20 Prozent mehr Onliner gibt (46%) als Onlinerinnen (26%) (Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. mit Unterstützung der Initiative D21 und TNS Infratest 2007: 15 - Auswertungen hier auch nach Einkommen, Alter und Bundesländern).
Wenn Sie mir jetzt entgegenhalten, dass seien doch „irrelevante Merkmale“ und ich würde hier ein banales „Sex-Counting“ veranstalten, das nur dazu führt, dass Geschlecht noch dramatisiert wird – ok. Aber ich bin ehrlich gesagt skeptisch, dass bei den Piraten ein „Ideal einer Gemeinschaft ohne Diskriminierung“ gelebt wird. Denn auch die Piraten sind Teil dieser Gesellschaft. Sie bildet sicherlich hippere und egalitärere Formen von Gender aus, als die übrige Welt oder die CSU. Aber zu sagen: Wir leben hier quasi auf einer genderlosen Piraten-Insel der Glückseligen und gesellschaftliche Geschlechtermachtverhältnisse gibt es nur „da draußen“ - aber doch nicht bei uns...- ist das nicht eher eine Art Abschottungsstrategie? Ich hätte da eine vorsichtige These: Kann es etwa sein, dass über das Konstatieren der Geschlechter-Egalität eine kollektive Identität gestiftet wird in Abgrenzung zu Älteren (so über 40), die noch so etwas Antiquiertes wie eine Quote oder nach Geschlecht differenzierte Statistiken brauchen? Ich lese das ein bisschen aus Ihren Zeilen, korrigieren Sie mich, wenn ich falsch liege.

Zurück zum Manifest: Dort wird auch vorgeschlagen, dass es einen Dreischritt geben soll: „Konstruktion-Rekonstruktion-Dekonstruktion“ (Gender-Manifest, S. 2). Der erste Schritt dabei ist: „Konstruktionen von Zweigeschlechtlichkeit als solche benennen.“, der zweit Schritt ist: Rekonstruktion, also „Geschlechterunterscheidungen rekonstruieren statt Geschlechtsunterschiede anzunehmen.“. Der dritte Schritt ist dann erst die Dekonstruktion. Meine Einschätzung ist, dass derzeit bei den Piraten der Versuch unternommen wird, zuerst den dritten Schritt zu machen. Gender wird als bereits dekonstruiert angenommen und die glückliche post-gender Welt postuliert. Einig sind wir uns offensichtlich in der Frage, wo das hinführen soll. Zu tatsächlicher Gleichberechtigung, also einem „Gender Undone“ zu einer Gesellschaft, die ohne eine Zuweisung nach Geschlecht und all den anderen Kategorisierungen auskommt. Aber stellt die sich wirklich darüber ein, dass Personen mit nicht identifizierbaren Geschlechtsidentitäten im Netz kommunizieren? Ich weiß es nicht, aber auch hierüber gibt es guten Stoff aus den Genderstudies: http://www.genderwiki.de/index.php/Web_2.0

Weil Sie nach konkreten Hinweisen für die Piraten fragten: Statt die Geschlechterdebatte auf eine „Frauenfrage“ und bzw. Frauenquoten zu reduzieren (und damit auch dem Reflex der Medien zu folgen), sollten die Piraten weitermachen mit der Reflexion von komplexen Geschlechterverhältnissen – sowohl auf der Piraten-Insel wie auch auf dem Festland….

Beste Grüße
Regina Frey

Zitierte und weitere Literatur:
Frey, Regina;Hartmann, Jutta;Heilmann, Andreas;Kugler, Thomas;Nordt, Stephanie;Smykalla, Sandra 2006: Gender Manifest. Plädoyer für eine kritisch reflektierende Praxis in der genderorientierten Bildung und Beratung. URL: http://www.gender-mainstreaming.org (12.03.2008).
Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. mit Unterstützung der Initiative D21 und TNS Infratest 2007: Internetnutzung von Frauen und Männern in Deutschland 2007. Sonderauswertung Gender & Diversity des (N)ONLINER Atlas 2007. Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. (Hrsg.). Bielefeld. Url: http://www.initiatived21.de/wp-content/uploads/alt/NOA_Umzug/Sonderauswertungen/H5_Nonliner_Sonderauswertung_2007.pdf (28.09.2011).
Lorber, Judith 1999: Gender-Paradoxien. Opladen: Leske und Budrich.
Lorber, Judith (2004): Man muss bei Gender ansetzen, um Gender zu demontieren: Feministische Theorie und Degendering. In: Zeitschrift für Frauenforschung und Geschlechterstudien, Heft 2 + 3, S. 9-14.
Lorber, Judith 2000: Using gender to undo gender. A feminist degendering movement, in: Feminist Theory, Heft 1, S. 79-95.
Pimminger, Irene 2010: Junge Frauen und Männer im Übergang von der Schule in den Beruf.  http://www.esf-gleichstellung.de/fileadmin/data/Downloads/Aktuelles/expertise_uebergang_schule_beruf.pdf (28.10.2010).



Xander Dorn:
Hallo Frau Frey,

dass das reine Abzählen von Männern und Frauen, also das sex-counting, eine zahlenmäßige Ungleichheit aufdecken und damit ein Indikator für auch soziale, hierarchische oder rechtliche Ungleichheit nach Geschlecht sein kann, ist selbsterklärend. Und es ist gleichfalls verständlich, bei der Suche nach Ursachen dafür auch zunächst mit dieser einfachen Methode zu beginnen. Meist entsteht dabei jedoch der Eindruck, auch durch die Medienberichterstattung, dass damit die Analyse bereits aufhört und es ausschließlich eine so oberflächliche Betrachtung gibt. In der Piratenpartei wird im Mitgliedsantrag (Beispiel Landesverband Berlin: http://berlin.piratenpartei.de/wp-content/uploads/2010/05/PPB_Mitgliedsantrag_2010.pdf) und damit auch in der Verwaltung nicht erfasst. Das macht es für Genderanalysen natürlich schwierig, mittels sex-counting anzusetzen.
Daher kann man sich zuerst nur die Gesichter derjenigen betrachten, die auch für die Piratenpartei in die Öffentlichkeit treten. Das sind einerseits die Personen auf den Stimmzetteln und andererseits Vorstände. Das zahlenmäßige Verhältnis von 14 zu 1 auf der Berliner Landesliste lässt hier also diesen Indikator anspringen. Und auch die reine Zählung in den Vorständen auf Bundes- und Länderebene ergibt 89 Männer zu 17 Frauen (http://wiki.piratenpartei.de/wiki//index.php?title=Vorst%C3%A4nde&oldid=1108265). Das entspricht 16% Frauen. Ich bin dabei sehr oberflächlich vorgegangen und habe nur die Vornamen der unter diesem Link Aufgeführten als Indiz genommen und keine Befragung durchgeführt, ob sich diese auch selbst dem jeweiligen Geschlecht zugehörig fühlen. Ein erstes Anzeichen für Ungleichheit aufgrund des Geschlechts in der Piratenpartei gibt es also. Was ist in der Analyse der nächste Schritt?

Sie haben bereits erwähnt, "dass ein Blick auf die Geschlechtermuster bei den Piraten interessant wäre". Wie Sie bereits erwähnten, ist das Thema "Gender" sehr komplex und wird leider gerne auf eine Konkurrenz oder sogar gegenseitiger Unterdrückung von Männern und Frauen reduziert. Wie kann man also eine Genderanalyse an der Piratenpartei angesichts der Komplexität von biologischem Geschlecht, selbst noch zu unterscheiden nach Genotyp und Phänotyp, sexueller Orientierung, gefühltem Geschlecht und Asexualität, konkret durchführen? Sie nannten schon Fragen nach Zielen hinsichtlich der Geschlechtergerechtigkeit und konkrete Strategien auf diesem Gebiet. Bezüglich der Piratenpartei zitiere ich aus deren Grundsatzprogramm: "Gesellschaftsstrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und müssen überwunden werden." ( http://wiki.piratenpartei.de/wiki/images/0/04/Grundsatzprogramm-Piratenpartei.pdf S. 21). Das trifft, denke ich, den Kernpunkt der piratigen Geschlechterpolitik. Es wird dabei allerdings ein anderer Weg gegangen als "Doing Gender to Undo Gender". Ich teile daher Ihre Einschätzung, dass in der Piratenpartei nur noch der Schritt der Dekonstruktion gemäß des Gender-Manifests gegangen wird, also von einer Postgender-Gemeinschaft ausgegangen wird. Das betrachte ich in diesem Fall auch erst einmal wohlwollend, da es mit den besten Absichten geschieht und auch versucht wird, dies innerparteilich umzusetzen wie eben auch in der Nichterfassung von Geschlechtsmerkmalen. Wenn das als Ausschluss von der übrigen Gesellschaft verstanden wird, fände ich das sehr schade, denn die Piratenpartei hat sich hier ein Ideal einer egalitären Gesellschaft zum Ziel gesetzt und versucht dies so gut wie nur möglich vorzuleben. Dabei ist eine Partei natürlich kein abgeschlossenes und autarkes Biotop sondern steht in ständiger Wechselwirkung mit der Gesellschaft. Gerade bei der Piratenpartei, die sich als Mitmach-Partei aufstellt und aufgrund ihrer im Vergleich zu den im Bundestag vertretenen Parteien geringeren Mitgliederzahl besonders im Wahlkampf auf das Engagement parteiloser Sympathisanten angewiesen ist, ist das der Fall. Im Berührungsbereich zwischen einer Partei, die sich darin versucht, Post-Gender zu sein und einer Gesellschaft, in welcher noch eine Genderdebatte am Laufen ist, kommt es dann verständlicherweise zu Spannungen wie an den Grenzen kontinentaler Platten. Und um in dieser Metapher zu bleiben - denken Sie, Frau Frey, dass sich aufgrund dieser Unterschiedlichen Vorgehensweise die Piratenpartei und die übrige Gesellschaft auseinanderdivergieren werden, sie miteinander kollidieren werden und dabei ein System unter das andere gerät und sich dabei Gebirge und Gräben zwischen ihnen bilden oder beide weiter aneinandervorbeischrammen und es immer wieder zu heftigen Spannungsentladungen kommt?

Zu Ihrem Rat am Ende Ihrer letzten Mail:
Wie kann eine solche Reflexion stattfinden? Ich stelle mir da einen Gedankenaustausch beispielsweise auf Mailinglisten, Stammtischen, Arbeitstreffen und Parteitagen vor. Also ein gemeinsames Feststellen eines Ist-Zustandes. Korrigieren Sie mich bitte, wenn ich da gerade ein falsches oder abweichendes Bild vor Augen habe. Wenn man sich damit noch nie so intensiv auseinandergesetzt hat, es ist auch für mich das erste Mal in dieser Intensität, ist man auf einem anderen Stand als etwa Sie, die Sie sich sogar beruflich mit dieser gesamten Thematik und Methodik beschäftigen.

MfG
Xander Dorn

Regina Frey
(wir haben inzwischen vereinbart uns zu duzen...)

Hallo Xander,

danke für Deine Ausführungen und Dein Pirat_innenköpfezählen. Interessant ist ja, dass der Anteil von 7,1 Prozent bzw. 16 Prozent zwar gering ist, aber in Anbetracht des niedrigen Frauenanteils in IT-Berufen auch nachvollziehbar. Ich habe ja auch Stimmen gehört, die gesagt haben, na dann ist das halt so, vielleicht wollen wir dieses Verhältnis auch, wir sind nun mal eine männlich dominierte Partei. Ich verstehe aber das Wahlprogramm anders, darin steht etwas von Vielfalt und darin steht ja auch, dass Geschlecht generell nicht erfasst werden soll (also nicht nur bei den Piraten nicht). Das hieße dann: analysis impossible. Es gibt ja Vorschläge, damit so umzugehen, dass statt männlich – weiblich auch eine oder mehrere weitere Ausprägungen abgefragt werden, oder dass im Pass ein weiteres mögliches Geschlecht eingetragen wird (das wurde übrigens in Australien gerade eingeführt). Ich schätze aber, dass viele Piraten und Piratinnen auch gerne eine buntere Partei hätten, mehr Frauen, weniger Menschen deutscher Herkunft (mehr über 40jährige vielleicht auch?).

Zu Deiner Frage: Was kommt nach dem Sex Counting? Hier gibt es verschiedene Methoden, zum Beispiel die „3R-Methode“, die in Schweden entwickelt wurde. Sie ist für den Einstieg ganz gut, da eigentlich banal: Es wird nach Repräsentation (1. R), Ressourcenverteilungen (2. R) und den hinter diesen Verteilungen bestehenden Realitäten (3. R.) gefragt. Das erste R wäre mit dem Köpfezählen schon passiert, das zweite R würde weitergehen und nach Posten, Entscheidungsbefugnissen, Budgetzuteilungen usw. fragen (auch quantitativ) und das dritte R würde sich mit den Ursachen befassen (qualitative Analyse). Hier können durchaus verschiedene Methoden der empirischen Forschung zum Tragen kommen, wie Mitgliederbefragungen, Interviews mit Schlüsselpersonen, Textanalysen, teilnehmende Beobachtung etc.
Der nächste Schritt ist natürlich, aus dieser Problemanalyse konkrete Ziele und Schritte abzuleiten – wenn der Befund ist, dass sich Dinge ändern sollen. Das wäre dann ein entsprechender Organisationsentwicklungsprozess.
Da das etwas abstrakt ist, hier ein Beispiel: ich habe vor längerer Zeit (fast zehn Jahre her) eine Menschenrechtsorganisation beraten. Ausgangspunkt war damals, dass der Vorstand männlich dominiert war, die Basis aber sehr weiblich. Hier habe ich eine organisationsweite Befragung gemacht und ausgewertet. Ich habe Interviews mit verschiedenen Personen in der Organisation gemacht und zentrale Veröffentlichungen daraufhin analysiert, wie dort Geschlechterverhältnisse thematisiert werden. Dabei ging es natürlich nicht nur um interne Verteilungen, sondern auch darum, inwieweit Menschenrechte mit dem Fachdiskurs dazu verknüpft werden (das geht über die Thematisierung von Frauenrechten hinaus und beinhaltet auch die Frage, welche Konstruktionen von Männlichkeit zur Verletzung von Menschenrechten beitragen, wie die Rechte von LGBTI vorkommen und ob Frauen einseitig als Opfer und Männer einseitig als Täter dargestellt werden u. a.).
Auf der Basis dieser Analyse habe ich einen Bericht erstellt, der Vorschläge dazu gemacht hat, wie die Organisation in ihren Strukturen und Verfahren, in ihrer Personalarbeit sowie in ihren Inhalten das Thema Gender durchgehend berücksichtigen kann (ohne dabei Geschlecht zu dramatisieren, siehe Manifest).

Ein solches Vorgehen kann natürlich nicht auf eine Partei oder gar die Piraten übertragen werden. Aber weil Du die Frage ansprichst, wie das bei den Piraten als „Mitmach-Partei“ laufen kann: Ich fände es gut, wenn die Piraten ihren eigenen Ansatz finden könnten, um eine Analyse der Partei zu machen. Es gibt kein Rezept für ein solches Vorgehen: das was für eine bestimmte Menschenrechtsorganisation geeignet ist, muss nicht für die Piraten passen. Allerdings habe ich weder das Mandat noch den Auftrag einen Konzeptentwurf für die Umsetzung einer Piraten-Genderstrategie vorzulegen, die auch der Partei mit ihrem Anspruch an Egalität und Post-Gender gerecht wird.

Und ich sage es auch mal hier (da mir das in den Kommentaren unterstellt wurde): Ich war nie auf einen Auftrag für die Piraten aus (und habe auch genug Projekte laufen). Aber nachdem, was nach dem taz-Interview so los war, hätte ich sowieso kein Interesse mehr, mich in dieses Getümmel zu stürzen. Dabei unterstelle ich nicht, dass es Piratinnen oder Piraten im engeren Sinn sind, die sich hier daneben benehmen. Aber es gibt eben dieses Umfeld, das schwer verdaulich ist. Ich will einfach nicht unaufgeforderte „Offene Briefe“ an meine Arbeitsemail von Leuten bekommen, die meinen, mich und meine Arbeit disqualifizieren zu dürfen. Wie gesagt, es gab ein paar nette persönliche Kontakte, aber was über das Netz abläuft, wenn es um Genderfragen bei den Piraten geht, ist zum Kotzen.
Weil Du fragst, wie eine Reflexion über Gender stattfinden könnte: Meine Einschätzung zum Thema Kommunikationskanäle ist, dass das eher nicht-virtuell sein sollte, da in 3D die Trollfrequenz sicher abnimmt. Entscheidend aber wird auch das WIE sein: Wenn sich Leute innerhalb der Partei ernsthaft mit dem Thema befassen sollten, könnten sie danach schauen, warum es gerade hier so extrem viele unentspannte Statements gibt und wie die Diskussionskultur ein wenig zivilisierter wird.

Zu Deinem Satz: „Im Berührungsbereich zwischen einer Partei, die sich darin versucht, Post-Gender zu sein und einer Gesellschaft, in welcher noch eine Genderdebatte am Laufen ist, kommt es dann verständlicherweise zu Spannungen wie an den Grenzen kontinentaler Platten.“ Dazu hatte ich glaub ich schon meine Haltung beschrieben: Ich glaube, dass sich die Piraten was vormachen, wenn sie meinen, das Postulieren von Post-Gender erübrige eine Genderdebatte (wie das NOCH sonst wo üblich ist). Ich hatte ja schon in meinem Blog etwas ironisch das Grundsatz Programm leicht abgewandelt und geschrieben "Parteistrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und müssen überwunden werden."
Ich glaube einfach, dass je mehr die Piraten sich im politischen Geschäft etablieren werden, desto mehr werden sie sich der ‚realen Welt da draußen‘ stellen müssen und auch konkrete Ideen und Strategien entwickeln, wie mit gesellschaftlichen Herausforderungen umgegangen werden kann. Dabei zielen einige Dinge, die die Piraten fordern, automatisch auf Geschlechterverhältnisse. Wenn es zum Beispiel keine Mini-Jobs mehr gäbe oder ein Mindestlohn eingeführt würde bzw. es ein Grundeinkommen geben würde, dann würde sich das ganz deutlich positiv auf Geschlechteregalität auswirken. Ein Grundeinkommen würde auch die unbezahlte Care-Arbeit aufwerten, auch das ein klares Geschlechterthema. Ich glaube, die Abschaffung des Ehegatten-Splittings (das auf überkommene Geschlechtermuster aufbaut und diese reproduziert) fordern die Piraten ohnehin – das ist ja auch eine uralte feministische Forderung. Diese Gender-Dimension im politischen Handeln mitzudenken und sichtbar zu machen ist wichtig und mir ist es wirklich vollkommen egal, welches Geschlecht von vielen diejenigen in einer Partei haben, die diese politischen Inhalte vertreten. Oder sogar anders: Vielleicht liegt sogar eine Chance darin, dass Menschen, die sich selbst als männlich definieren, für Geschlechterpolitik zuständig sind (aber bitte nicht neben Familie, Jugend und Senioren), während diejenigen, die sich als weiblich bezeichnen, dann die so genannten ‚harten‘ Ressorts wie Wirtschaft und Finanzen machen. Das ist in den etablierten Parteien nämlich leider meist recht traditionell und wäre dann eine hübsche paradoxe Intervention.

Du fragst nach meiner Einschätzung für die Zukunft: Es wäre vermessen, hier eine Diagnose zu geben, ich habe keine Ahnung wie sich die Partei weiterentwickeln wird und was da kollidieren kann und was nicht. Ich hoffe natürlich sehr, dass sich ein paar Piratinnen und Piraten von unseren Überlegungen inspirieren lassen. Aber das liegt ja nicht in unserer Hand…

Dir noch ein schönes Wochenende

Regina


P.S.: Noch zwei Hinweise:
Der Evangelische Entwicklungsdienst hat eine Genderstrategie, die ich für diese Organisation ganz gut finde. http://www.eed.de/de/de.eed/de.eed.eed/de.sub.11/de.sub.pub/de.pub.de.168/index.html
So eine Strategie sähe natürlich für die Piraten komplett anderes aus, evtl. ist es aber als Beispiel ganz geeignet, wie andere mit dem Thema umgehen.

Und: Süddeutsche Zeitung an diesem Wochenende: „Her mit den Piratinnen!“ Nicht Post-Gender – aber ein guter Eindruck, wie der eher bildungsbürgerliche Kontinent das Thema so besetzt…


P.P.S.: Ich kann nicht so schnell reagieren wie Du, habe echt viel zu tun gerade… deswegen hab bitte Geduld.


Xander Dorn: 
Hallo Regina!
P.P.S.: Ich kann nicht so schnell reagieren wie Du, habe echt viel zu tun
gerade… deswegen hab bitte Geduld.


Diesmal muss auch mal ich um Geduld bitten, denn ich habe mir heute den Tag mit dem neuen Bundeswahlgesetz um die Ohren geschlagen und werde auch Morgen nicht dazu kommen, eine Antwort zu schreiben. Ich wurde nämlich gestern zum Morgen stattfindenden Landesparteitag der Piratenpartei Rheinland-Pfalz eingeladen. Daher biete ich Dir an, dort eine Mitgliederbefragung durchzuführen, wenn Du mir bis spätestens Morgen früh (ich weiß leider noch nicht, wann Abfahrt ist) einen passenden Fragebogen schickst. Meine Antwort auf Deine heutige Mail kommt dann wohl erst am Montag oder, falls es mit dem Fragebogen klappt und ich die Daten noch abtippen muss, sogar erst am Dienstag.

MfG
Xander

Regina Frey:

Hallo Xander,
„Daher biete ich Dir an, dort eine Mitgliederbefragung durchzuführen, wenn Du mir bis spätestens Morgen früh (ich weiß leider noch nicht, wann Abfahrt ist) einen passenden Fragebogen schickst.“
Da müssen wir wohl kurz etwas klären.
Meine Idee war ein Austausch zum Thema, daher bin ich überrascht über das „Angebot“ einen Fragebogen zu senden. Ein Fragebogen entsteht aus einem Untersuchungsdesign zu einer Fragestellung eines Forschungsprojektes. Das haben wir nicht und das funktioniert nicht mal so kurz über Nacht.  
Ich habe ja erklärt, warum ich die Piraten als Partei nicht beraten werde. Wenn die Partei beschließt, sie möchte in Genderfragen extern beraten werden, dann sollte sie eine Ausschreibung machen. Üblicherweise wird dann von interessierten Dienstleistungsunternehmen ein Angebot geschrieben, das auch ein Kostenangebot enthält. Wie gesagt,  ich wäre da nicht dabei, unter anderem weil ich üblicherweise aus Gründen der Neutralität keine Parteien berate (allenfalls Stiftungen).
Dennoch wünsche ich viel Erfolg auf dem Parteitag und bin natürlich gespannt, was Du berichten wirst.
Beste Grüße
Regina

Samstag, 17. September 2011

Berliner Wahl - Teil 5: SPD...und Fazit

Die SPD verspricht bereits in ihrer Überschrift Konkretes: „Handeln statt reden. Gleichstellungspolitik in Berlin“. Es gibt ein Unterkapitel zu Gleichstellung und mehrere Bezüge in anderen Kapiteln. Aber auch hier liegt der Fokus zum Großteil auf Vergangenem bzw. auf den Taten in den letzten Jahren der Regierung. Es wird das Gender Budgeting aufgeführt, das Programm zur Förderung der Chancengleichheit an den Universitäten, die Frauenquote von 40 % in den Aufsichtsräten der landeseigenen Betriebe und: „Öffentliche Auftragsvergabe und Bewilligung von Steuergeldern an Unternehmen sind an die Darlegung von Frauenfördermaßnahmen geknüpft.“ Meine Einschätzung zum letzten Punkt: So richtig durchgezogen wird das auch in Berlin nicht.  
Konkrete Pläne gibt es aber hier: „Die SPD wird in der kommenden Legislaturperiode ein Bündnis für Gleichstellung mit verantwortungsvollen Berliner Unternehmen schließen. Diese verpflichten sich selbst zur Förderung von Frauen in Führungspositionen, der Aufstellung verbindlicher Frauenförderpläne sowie der Verwirklichung des Grundsatzes der gleichen Bezahlung von Frauen und Männern für gleichwertige Arbeit.“ Das kommt uns allerdings auch ein wenig bekannt vor: Ist es nicht das Modell „freiwillige Selbstverpflichtung“, das unsere Bundesfamilienministerin statt einer verbindlichen Quote macht?
Und auch hier viel Selbstlob gemischt mit recht allgemeinen Aussagen: „Die erfolgreiche und vorbildliche Politik des Berliner Senats werden wir fortführen, damit Frauen und Mädchen in Berlin in allen Bereichen der Gesellschaft die gleichen Chancen haben und die Gleichstellung umfassend verwirklicht wird.“

„Der SPD-geführte Senat tritt der Diskriminierung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts, Glaubens, ihrer ethnischen Herkunft, sexuellen Identität oder einer Behinderung energisch und durch diverse Initiativen entgegen.“ Das klingt gut, ist aber auch nicht wirklich konkret, denn was sind „diverse Initiativen“? In den Ausführenden, die auf diese Aussage folgen, kommt eher Frauenpolitisches. Und wenn wir schon bei der Aufzählung Diversity-Kategorien sind: Wo bleibt hier eigentlich Alter als Diskriminierungsstruktur? Soll ja zunehmend wichtig werden wg. Demografischem Wandel etc….
Und wie bei der LINKEN, so wird auch hier der Nicht-Abbau bestehender Strukturen zugesichert: „Spezielle Frauen- und Mädchenprojekte sowie -einrichtungen und -beratungsstellen werden wir weiter fördern und gezielt unterstützen“.

Mein Eindruck von der SPD: Es ist zwar nichts wirklich Ärgerliches dabei, wie bei einigen anderen, aber so prickelnd, dass ich vom geschlechterpolitischen großen Wurf der Sozialdemokratie überzeugt bin, ist dieses Wahlprogramm auch nicht.

Mein Gesamtfazit zum Thema Wahlprogramme: Wahrscheinlich stelle ich zu hohe Ansprüche an dieser Art Papier. Aber nach meinem Geschmack sind alle verbesserungswürdig: Viele allgemeine Beteuerungen stehen neben blumigen Visionen, oder wir bekommen jede Menge Selbstlob geboten. So richtig neue zündende Ideen, die mich inspirieren würden, gibt es bei keiner Partei. Aber wie sollte ein Wahlprogramm aussehen, sodass ich so informiert werde, um eine gute Wahlentscheidung zu treffen? Mein Wunsch wäre: Programme mit konkreten realistischen Zielen (die aus einer aus der Berliner Situation abgeleiteten Analyse formuliert werden), klare zukünftige Handlungsschritte und Erfolgsmarker werden definiert sowie Zeithorizonte festgelegt. Aber das traut sich wohl keine Partei. Da müsste man sich ja dann wirklich festlegen.
Also, in ein paar Stunden geht es ab in die Wahlkabine und dann: Wie immer das kleinste Übel wählen.

Freitag, 16. September 2011

Berliner Wahl - Teil 4: DIE LINKE


DIE LINKE hat natürlich eine gute Startposition, da sie in Berlin seit zwei Legislaturperioden Gleichstellungspolitik macht: Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen, die auch federführend in Sachen Gender Mainstreaming und Gender Budgeting ist, hatte immer einen Senator der LINKEN. Insofern ist natürlich besonders interessant inwieweit das Wahlprogramm der Partei auch wirklich neue Ideen enthält – oder ob die Partei die Wahl nutzt, um sich selbst für Vergangenes auf die Schulter zu klopfen.
Interessant ist zunächst, dass es kein eigenständiges Kapitel zum Thema Gleichstellung gibt, sondern im Rahmen der Kapitel zu Arbeit und Beschäftigung und „Berlin – offene und demokratische Stadt“ behandelt wird. Schade ist zunächst, dass es keine auf Berlin bezogene Problemanalyse gibt, sondern zunächst festgestellt wird, dass „Frauen …immer noch nur rund 75 Prozent der durchschnittlichen Löhne und Gehälter der Männer (erhalten)“. Diese Zahl ist aber recht grob (da es hier um das unbereinigte Nettoeinkommen geht – siehe Beitrag zum Thema Unisex) und gilt wohl kaum für Berlin. Destatis hat errechnet, dass die Einkommensschere nach dieser Berechnung in den neuen Bundesländern doch wesentlich kleiner ausfällt. Es kann deswegen angenommen werden, dass hier dramatisiert wird. Nicht wirklich hilfreich für die Sache.
Klar sind einige Dinge gemacht worden unter Rot-Rot und das Wahlprogramm der LINKEN schmückt sich auch damit: Erarbeitung eines „gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms“ Umsetzung von Gender Budgeting, Novellierung des Landesgleichstellungsgesetzes, Berliner Programm zur Förderung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre und einiges mehr. Und tatsächlich ist in Berlin im Vergleich zu anderen Bundesländern und Stadtstaaten viel Geschlechterpolitisches passiert. Aber nicht alles lief auch wirklich gut: So besteht eigentlich seit Jahren die Vorgabe, dass alle Senatsvorlagen einem „Gender-Check“ unterzogen werden. Im Wahlprogramm heißt es dann auch: „Alle Vorhaben und Beschlüsse von Politik und Verwaltung sind hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf Männer und Frauen zu überprüfen.“ Leider ist es aber ein wenig müßig, sich für etwas einzusetzen, was schon länger in Kraft ist, aber nicht ordentlich politisch umgesetzt wurde. Es müsste dann ja auch heißen: „Wir sorgen dafür, dass das was wir schon vor Jahren eingeführt haben, endlich einmal auch realisiert wird.“ Kling natürlich nicht so toll.
Ganz häufig kommt im Wahlprogramm das Instrument Frauenquote vor - und zwar sowohl in der öffentlichen Hand als auch in der Privatwirtschaft. Da unterschiedet sich tatsächlich das Programm der Grünen, der LINKEN und der SPD kaum. Dass das eigentlich kein wirkliches Landesthema ist, sondern natürlich auf Bundesebene greifen müsste, wird mehr oder weniger deutlich gesagt.
Interessant ist auch die Konzeptualisierung von Gleichstellungspolitik als Doppelstrategie: „Frauen- und Gleichstellungspolitik muss trotz der Querschnittsfunktion auch weiterhin ein eigenständiger Politikbereich bleiben, mit entsprechenden personellen, materiellen und finanziellen Ressourcen, als Doppelstrategie von Gender Mainstreaming und Frauenförderung.“ Allerdings wird nicht so ganz klar, wie sich das voneinander abgrenzt. Bei GM sollte es ja um tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männer in ihrer Vielfalt gehen bzw. letztlich um die Überwindung von starren Geschlechterdualismen. Männer kommen im Programm aber eher als Blockierer von Gleichstellung vor: „In der privaten Wirtschaft bestehen die gläsernen Decken, gegen die Frauen immer wieder stoßen, gleichwohl fort. Solange es keine verbindlichen Regelungen und gesetzlichen Vorgaben gibt, sind Männer meist nicht bereit, dies zu ändern.“ Das klingt leider ziemlich nach Geschlechterkampf und einer recht dualistischen Konzeption von Geschlecht (in dem Punkt haben die Piraten dann zumindest rhetorisch (!) die Nase vorn).
Wo es sehr konkret wird, werden wir gleichzeitig ein wenig stutzig: „DIE LINKE setzt sich nachdrücklich dafür ein, dass es bei der Planungssicherheit über zweijährige Verträge für Frauenprojekte bleibt.“ Das ist ja ein interessantes Wahlversprechen: Es bleibt wie es ist (und das ist dann schon eine Errungenschaft?).
Mein Fazit für DIE LINKE: Das Programm ist zum Thema ausführlich und enthält viel Wichtiges. Die Partei hätte aber doch noch etwas mehr aus ihrer guten Ausgangssituation machen können. Klar: Allzu deutliche Versprechen im Wahlprogramm sind gefährlich, es soll ja noch ein wenig Masse für die Koalitionsverhandlungen bleiben. Aber dennoch: Es hätte alles etwas mehr zukunfts- und zielgerichteter sein können.

Donnerstag, 15. September 2011

Berliner Wahl – Teil 3: Bündnis90/Die Grünen


Bin mit der Wahlprogramm-Analyse spät dran, aber eine unheilvolle Mischung aus Grippevirus und Dienstreiseanforderung kam mir leider dazwischen - Pardon. Deswegen nun erst einmal Bündnis90/Die Grünen. Bis zum Sonntag werde ich es noch schaffen, auch SPD und Die Linke durchaus kritisch zu beleuchten.
Insgesamt wird es nun endlich auch etwas anspruchsvoller, da die nun zu betrachtenden drei Parteien doch etwas mehr geschlechterpolitische Substanz zu bieten haben. Wenn es die Masse machen würde, hätte DIE LINKE schon gewonnen, ihre Ausführungen zum Thema: Geschlechtergerechtigkeit/Gleichstellung sind länger wie die der anderen beiden Parteien Aber warten wir es ab, es geht um Qualität, nicht Quantität: Wie sieht es aus mit Inhalten, konkreten (evtl. auch mal NEUEN) Ideen, Plänen, Strategien und realistischen konkreten Umsetzungsschritten, die auch auf Berlin bezogen sind und nicht den geschlechterpolitischen Zustand der Welt an sich?

Von den zehn Themen ist Geschlechtergerechtigkeit eines, das Kapitel acht: „Geschlechtergerechtes Berlin“. Die Ausführungen im Kurzprogramm auf der Website sind leider recht abstrakt: Statt Berlin könnte da eigentlich auch München oder Hamburg stehen. Wenn sich jemand die Mühe macht, das 120 Seiten lange pdf runterzuladen, wird es konkreter und auch etwas berlinspezifischer: Zum Beispiel wollen Bündnis90/DieGrünen das von Rot/Rot eingeführte Gender Mainstreaming und Gender Budgeting fortführen. Aber der richtige Berlinbezug will danach nicht mehr aufkommen: Es bleibt also alles bei Sätzen wie: „Ob beim Einkommen, bei den Karrierechancen oder bei der doppelten Belastung mit Familie und Beruf: Auf allen Ebenen gibt es Blockaden, die – teils sichtbar, teils unsichtbar – einer geschlechtergerechten Realität entgegen stehen. Diese Blockaden müssen wir ein für alle Mal überwinden!“ Tolles Ausrufezeichen, aber als informierte Wählerin würde mich das WIE doch noch stärker interessieren. Ok, etwas konkreter wird es: „Mädchen und Jungen (sollen) gezielt über Berufsbilder informiert werden, die nicht dem traditionellen Berufswahlverhalten entsprechen“. Aber auch das gibt es schon alles…
Schön ist, dass die Grünen eine recht weite Fassung von Geschlechterpolitik haben, in die auch Transgender und Intersexuelle fallen, sie fordern Rahmenbedingungen für einen selbstbestimmten Umgang mit dem eigenen Körper durch ein entsprechendes Gesundheitsangebot. Durchaus interessant ist es auch, für das Landesgleichstellungsgesetz Klagerechte zu stärken.
Für ein Wahlprogramm ein bisschen innovativ ist es zudem, das Thema Männlichkeitsmuster aufzugreifen und auch Diskriminierungsformen von Männern anzusprechen. Aber auch hier finden wir wenig Fassbares. „Das männliche Idealbild ist längst nicht mehr der heterosexuelle Alleinernährer. Wir wollen auch hier Vielfalt unterstützen und kein Lebensmodell privilegieren: Jeder Mann soll die Wahl haben, seine Rolle jenseits von Stereotypen für sich zu definieren.“ Klingt gut, aber: Was passiert mit einer solch wunderbaren nichtstereotypen Selbstdefinition bei einer Grünen Regierung/sbeteiligung dann genau?
Konstruktive Botschaft in Richtung Bündnis90/Die Grünen: Da besteht noch Konkretisierungspotenzial! Aber mal schauen, wie das bei den anderen ist…

(Quelle der Zitate: http://gruene-berlin.de/wahl2011/wahlprogramm, Gesamtprogramm auf: http://gruene-berlin.de/sites/default/files/gemeinsam/Wahl2011/wahlprogramm_online.pdf)

Sonntag, 28. August 2011

Berliner Wahl – Teil 2: CDU, Die Partei und BIG


Auf dem Stimmzettel zur Wahl einer Bezirks- oder Landesliste (Zweitstimme) befinden sich 18 Parteien. Mit den Piraten habe ich mich bereits auseinandergesetzt (siehe auch Kommentare zum letzten Blogeintrag) - mit der Erkenntnis, dass mir die Partei doch etwas sympathischer ist als sich das zunächst darstellte: Immerhin gibt es dort eine offene und sehr rege geführte geschlechterpolitische Debatte.
Heute geht es um drei weitere zur Wahl stehende Parteien: Zur Christlich Demokratischen Union Deutschlands (CDU) hatte ich ja schon kurz etwas gesagt. Die „Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative“ (für alle Scherzkeks_innen unter uns) und das „Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit“ (BIG), die sich als „multikulturelle Partei“ bezeichnet und unter anderem mit einem deutlichen „Nein zu Sarazzin!“ wirbt.

Kurz noch zum Hintergrund: Für eine Bewertung der Parteiprogramme ist wichtig zu wissen, dass die rot-rote Koalition bisher recht aktiv war in Sachen Geschlechterpolitik. So war Berlin das erste Bundesland, das Gleichstellung durch Einführung der Strategie Gender Mainstreaming verfolgte, sich um einen geschlechtergerechten Haushalt (durch das Gender Budgeting) bemüht hat und in dem ein „gleichstellungspolitisches Rahmenprogramm“ mit konkreten Gleichstellungszielen aufgestellt wurde. Politisch kann (und soll) man sich natürlich über diese geschlechterpolitischen Ziele streiten. Deutlich ist jedoch, dass die derzeitige Regierung konkrete Strategien umsetzt. Die Partei, die hier punkten möchte, müsste dies also auf einem gewissen Einstiegsniveau tun. Allgemeine geschlechterpolitische Bekundungen von Parteien, die nicht auf die Berliner Situation zugeschnitten sind und die ohne konkrete Strategien, Instrumente und Maßnahmen auskommen, können (oder wollen) in diesem Politikfeld nicht glänzen.
Und noch kurz eine Anmerkung in eigener Sache: als Gender-Beraterin war und bin ich auch für die Berliner Verwaltung tätig, sowohl auf Senatsebene als auch für einige Bezirke. Ich stehe jedoch keiner Partei nahe und schreibe durchaus auch mal kritisch über den Berliner Umsetzungsprozess. Also: Voreingenommenheit würde ich mir nicht bescheinigen lassen, etwas näher an der Sache zu sein, durchaus.

Fangen wir mit dem sehr überschaubaren Programm der CDU an. Also, mir hat einmal jemand erzählt, dass die Aussage „da kann man nicht meckern“ für Berliner Verhältnisse ein hohes Lob ist. Da die CDU in ihrem Programm („100 Probleme – 100 Lösungen“) an den vermeintlichen Fehlern der bisherigen Regierung herummeckert und Gleichstellung im Dokument nicht vorkommt (noch nicht einmal das Wort „Chancengleichheit“), können wir schlussfolgern: entweder die CDU meint, es gäbe in Berlin sowieso keinerlei geschlechterpolitischen Handlungsbedarf - oder rot-rot hat in Sachen Geschlechterpolitik in ihren Augen alles sehr gut gemacht (weil die CDU hier wohl nicht meckern kann). Beides ist unwahrscheinlich, daher meine Vermutung: die genderpolitische Fachkompetenz ist in den Reihen der Berliner CDU eher nicht ausgeprägt (oder pädagogisch ausgedrückt: „hat noch Potenzial“).
Fazit: Die CDU ist eine geschlechterpolitische Leerstelle, Bürgerinnen und Bürger, die das Thema wichtig finden, schauen sich woanders um, wenn sie ein Plätzchen für ihre Stimme auf dem Wahlzettel suchen.

Eine weitere eher kleine Partei in Berlins politischer Landschaft ist „Die Partei“ von Titanic-Spaßmacher Michael Sonneborn. Die sind im Vergleich zur CDU in Sachen Geschlechterpolitik immerhin ein bisschen substanzieller: Unter „Gerechter Ausgleich zwischen Arm & Reich“ heißt es: „Alle Menschen haben das Recht, sozial gleichberechtigt in Würde und Selbstbestimmung zu leben. Wir kämpfen für eine gerechte Verteilung der Güter und gleiche Lebenschancen für alle.  Wir engagieren uns besonders für…“ (hier werden fünf Themen benannt, davon ist das erste:)…“die tatsächliche Gleichstellung von Mann und Frau“. Was das jedoch inhaltlich bedeutet und ob es überhaupt im Ansatz ernst gemeint ist, kann ich natürlich nicht bewerten. (Quelle: http://www.die-partei.de/programm/)

Das „Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit“ (BIG): In den allgemeinen Aussagen zu den Schwerpunktsetzungen der Partei finden sich fünf Themen, einer davon zu „Familie“, Hier sind folgende Ausführungen zu lesen: „Grundlage der staatlichen Ordnung ist die Familie als Zusammenschluss von Frau und Mann, diese verdient Förderung und Unterstützung in jeder Hinsicht. Hierzu gehört, dass der Staat bedarfsdeckend die Versorgung und Betreuung der Kinder sichert. BIG ist der Auffassung, dass das Angebot an Kinderbetreuungsplätzen und Kinderhorten viel flexibler und umfassender geregelt werden muss als bisher, um so die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.
Die Gleichstellung von Frau und Mann in Beruf und in der Gesellschaft ist erklärtes Ziel der Partei. BIG fordert eine Verstärkung des besonderen Schutzes der Kinder in allen Lebensbereichen. Die Förderung des Familienzusammenhaltes hat auch die Ebene, dass die Versorgung von Senioren in Familiennähe und –umfeld durch staatliche geeignete Maßnahmen und Regelungen gefördert werden muss.“  Quelle: http://www.big-deutschland.de/online/v2.0/index.php?idcatside=14

Zweierlei fällt auf: Gleichstellung von Frauen und Männern in den Themenbereich „Familie“ zu sortieren, ist an sich bereits wenig innovativ. Gleichstellungspolitik findet nun mal eher in „Arbeit und Wirtschaft“ statt – hier sind keine geschlechterpolitischen Bezüge zu finden. Die Verbindung von Gleichstellung und Schutz von Kindern (in einem Absatz) mag mir nicht einleuchten. Vereinbarkeit von Familie und Beruf als einzig genanntes Mittel zur Gleichstellung, stellt eine Engführung des Politikfeldes dar. 
Auch die Konzeptionalisierung von Familie als „Zusammenschluss von Frau und Mann“, die gefördert werden soll, schließt andere (z.B. gleichgeschlechtliche) Familienformen aus und setzt somit einen heteronormativen Akzent. Damit ist BIG in der deutschen Parteienlandschaft natürlich keineswegs alleine. Allerdings wird sie dann auch ihrem eigenen Anspruch nicht für alle gleichermaßen gerecht: „Unser erklärtes Ziel ist es, allen Menschen in unserem Land Chancengleichheit, Gleichbehandlung und Anerkennung in allen Lebensbereichen zu ermöglichen.“ Quelle: http://big-deutschland.de/online/v2.0/index.php?idcat=3
Ich lese aus diesen Aussagen, dass BIG eher rollenkonservative Geschlechtermuster vertritt und Gleichstellungspolitik keine besonders hohe Priorität erfährt. 

Das war Teil 2. In Teil 3 der kleinen Vorwahl-Serie wird es dann um die Parteien gehen, die geschlechterpolitisch etwas gehaltvoller sind. Aber dafür brauche ich noch ein bisschen Zeit

Sonntag, 21. August 2011

Berliner Wahl: Das Geschlecht der Piraten

Da ich als Berlinerin am 18. September wählen darf/muss, habe ich mir einmal die Wahlprogramme der Parteien hinsichtlich ihrer Aussagen zur Geschlechterpolitik näher angeschaut. Um mich an diese schwierige Entscheidung heranzutasten, gehe ich nach einem sukzessiven Ausschlussverfahren vor: Bei bestimmten Parteien erübrigt sich die Analyse, da sie sich in meinem persönlichen politischen Paralleluniversum befinden. Die CDU schreibt nichts zum Thema, da ist also auch nichts zu analysieren. Bei der SPD, Bündnis90/DIE GRÜNEN sowie DIE LINKE gibt es einiges zu lesen. Das schiebe ich auf (sind ja noch ein paar Tage hin).
Ins Auge sticht: Die Piraten. Junge Partei, kritische Inhalte, adressiert das junge urbane Milieu. Und sagt etwas zu „Geschlechter- und Familienpolitik“ auf einer von 51 Seiten und eines von 13 Themen. Aber hoppla: Das Auseinanderfallen von geschlechterpolitischer Rhetorik und politischer Praxis klafft echt krass auseinander.  
Solche Sätze klingen zunächst ungemein herrschaftskritisch und freiheitlich: „Die Piratenpartei steht für eine zeitgemäße Geschlechter- und Familienpolitik. Diese basiert auf dem Prinzip der freien Selbstbestimmung über Angelegenheiten des persönlichen Lebens. Die Piraten setzen sich dafür ein, dass Politik der Vielfalt der Lebensstile gerecht wird. Jeder Mensch muß sich frei für den selbstgewählten Lebensentwurf und für die individuell von ihm gewünschte Form gleichberechtigten Zusammenlebens entscheiden können. Das Zusammenleben von Menschen darf nicht auf der Vorteilnahme oder Ausbeutung Einzelner gründen.“ Und „Gesellschaftsstrukturen, die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und sind zu überwinden.“ Das knüpft an neue Gender-Diskurse an, die Geschlecht als gesellschaftliche Zuweisung und Normierung problematisierten, die es zu hinterfragen (bzw. im Fachchargon zu dekonstruieren) gilt. Konsequenterweise kommen altmodische Worte wie ‚Frauen’ und ‚Männer’ im Programm der Partei nicht vor – sind sie doch Symptom einer „(f)remdbestimmte(n) Zuordnungen zu einem Geschlecht oder zu Geschlechterrollen“, die sie ablehnen.
Leider ist die Kategorie Geschlecht aber nun mal weiterhin gesellschaftlich recht wirkungsmächtig. Das zeigt der Blick auf die Kandidatenliste der Piraten unter http://berlin.piratenpartei.de/category/personen/. Danach haben die Piraten eine Männerliste. Zumindest nach den Merkmalen a) Vornamen und b) Selbstinszenierung bzw. Äußeres sind alle zehn Kandidaten der sozialen Kategorie "Männer" zuzuordnen (ich lasse mich gerne korrigieren, falls hier jemand mit trans- oder intersexueller Identitäten dabei ist).
 Wir fragen uns: Wie sieht es hinter der poststrukturalistischen Rhetorik der Piraten mit den „Geschlechterrollen“ innerhalb der Partei aus? Hat in den eigenen Reihen wohl nicht so ganz geklappt mit der im Programm deklarierten „Politik der Vielfalt“? Mir ist schon klar, was die Piraten hier erwidern: Keine wird bei uns zu etwas gezwungen, und wenn kaum Frauen auf die Piraten stehen, was können WIR denn dafür? Wir schließen ja niemanden aus. Und es wird niemand diskriminiert, unsere Männerliste ist reiner Zufall und hat nichts mit diskriminierenden Strukturen in Politik und Gesellschaft zu tun. Denn wie es schon in unserem Parteiprogramm steht: „Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Geschlechterrolle, der sexuellen Identität oder Orientierung ist Unrecht.“
Empfehlung, Jungs: Arbeitet mal an Eurem Diskriminierungsbegriff, vielleicht findet ihr dabei heraus, dass Eure Geschlechtereinfalt nicht vom Himmel gefallen ist. Tatsächlich ärgert mich es schon, wenn der herrschaftskritische Anspruch dann ausgerechnet bei Geschlechterfragen plötzlich vergessen ist und Machtstrukturen hinter einem hippen postmodernen Wording verdeckt werden. Statt konkreter Hinweise darauf, welche Strategien und Instrumente die Piraten geeignet finden, um Ungleichheitsstrukturen abzubauen, findet hier politisches Nebelkerzenwerfen statt. Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich bin völlig der Meinung, dass Geschlecht als gesellschaftliche Struktur- und Zuweisungskategorie in den Papierkorb gehört. Auch geht es mir in erster Linie um die politischen Positionen und nicht um das Geschlecht der kandidierenden Person. Aber mir ist es eben nicht egal, wenn eine Partei nicht ehrlich mit diesem Auseinanderklaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit umgeht. Schöne Visionen haben reicht nicht.
An dieser Stelle mein klares Votum: Die Piraten sind geschlechterpolitisch (derzeit noch?) indiskutabel und für mich unwählbar, denn: Auch Parteistrukturen, „die sich aus Geschlechterrollenbildern ergeben, werden dem Individuum nicht gerecht und sind zu überwinden.“ 


P.S.: Habe einen Hinweis bekommen, dass auf der Berliner Website nicht alle, die kandidieren, auch aufgeführt sind. Und es gibt Kandidatinnen! (ca. 13 Prozent)
Also jetzt:
Landesliste zur Abgeordentenhauswahl:
15 Personen, 13 mit männlichem und 2 mit weiblichen Vornamen
Kandidierende für die Wahlkreise zur Abgeordentenhauswahl:
39 Personen, 33 mit männlichen und 6 mit weiblichen Vornamen
Kandidierende für die Bezirksverordnetenversammlungen:
82 Personen, 72 mit männlichen und 10 mit weiblichen Vornamen

Quelle: http://wiki.piratenpartei.de/BE:Kandidaten

Mittwoch, 27. Juli 2011

Zur geschlechterpolitischen Verortung des Norwegen-Attentäters Breivik

Themenwechsel und Tonfallwechsel: Ein Thema, bei dem jede Ironie unangemessen ist. Es geht um den Anschlag in Norwegen und die Motive des Mannes, der kurz vor seiner Tat eine „Europäische Unabhängigkeitserklärung“ verfasst und verbreitet hat. Das Papier umfasst an die 1.500 Seiten und enthält eine ganze Reihe an Zitaten ohne Quellennennung.
Ich möchte den Täter mit der Besprechung seiner kruden Thesen nicht aufwerten. Er ist ein kleingeistiger Feigling, der wehrlose Menschen ermordet hat. Ernst zu nehmen ist jedoch das Gedankengut, mit dem er seine Taten legitimiert und aus dem er seinen Hass speist. Er ist kein verwirrter Spinner oder gar unzurechnungsfähig. Wer das „Kompendium“, wie er es bezeichnet, liest, weiß: Der Mann wusste, was er tat. Er hatte ein Ziel, das er überlegt verfolgte.
Um einen Teil dieses Legitimationsgerüstes zu beleuchten, werde ich im Folgenden den Text einerseits für sich sprechen lassen und einige Originalpassagen zitieren. Andererseits werde ich sie auch kommentieren, um die geschlechterpolitische Haltung des Täters und Verbindungen zur Ideologie der Neuen Rechten und ihres Umfelds zu verdeutlichen.

Eine ausführliche Analyse kann an dieser Stelle nicht geleistet werden, aber wenigstens ein Schlaglicht auf ein medial unterbelichtetes Thema soll erlaubt sein (Ausnahme: siehe Quellen unten). Denn im Fokus der Medienberichterstattung steht fast ausschließlich die Islamfeindlichkeit des Attentäters. Das ist einerseits richtig: Sein Schriftstück bedient im Schwerpunkt Ressentiments gegen „die Muslime“. Das Dokument ist aber nicht nur islamfeindlich und rassistisch; es ist – abgeleitet aus einer generellen Linkenfeindlichkeit – sexistisch und sehr direkt antifeministisch.
Kurzer Exkurs: Es lässt sich trefflich darüber streiten, was feministisch oder Feminismus ist, wo er anfängt oder aufhört und warum er in Deutschland noch viel verpönter ist als in anderen Ländern. Aber belassen wir es bei der groben Feststellung, dass Feminismus eine emanzipatorische Bewegung und Denkrichtung ist. Er hat das Ziel der Gleichstellung von Frauen und Männern, die auch eine neue und insgesamt gerechtere Gesellschaftsordnung umfasst. Er hat viele Ausprägungen und lässt sich auf keinen Fall auf die Thesen von Alice Schwarzer reduzieren.

Zum Text: Die Überschriften beziehen teilweise direkt Stellung zum aktuellen Geschlechterdiskurs, den wir auch hierzulande führen:  
“2.8 The Failure of Western Feminism (…)
2.9 How the Feminists’ ‘War against Boys’ Paved the Way for Islam (…)
2.10 Feminism Leads to the Oppression of Women (…)
2.11 What is the Cause of Low Birth Rates? (…)
2.12 The Fatherless Civilisation“

Aber wie wird das Feindbild des Feminismus hergeleitet? Zunächst über das, was er als „kulturelle(n) Marxismus“ bezeichnet. Dessen Merkmale seien Political Correctness und hiervon sei Feminismus ein wesentlicher Teil: Im Kapitel „Radical Feminism and Political Correctness“ (S. 18f.) zieht er folgende Verbindung: „Perhaps no aspect of Political Correctness is more prominent in Western European life today than feminist ideology.“ (S. 18).
In einem Abschnitt zu den vermeintlichen „geschichtlichen Wurzeln der Political Correctness“ (S. 5) interpretiert er die folgende Gesellschaftsvorstellung in die Kritische Theorie und die Frankfurter Schule hinein:
“The patriarchal social structure would be replaced with matriarchy; the belief that men and women are different and properly have different roles would be replaced with androgyny; and the belief that heterosexuality is normal would be replaced with the belief that homosexuality is equally ‘normal’.” (S. 6)
Hier werden gleich drei „Schreckensszenarien“ bedient: die „Gefahr“ einer weiblichen Vorherrschaft (Matriarchat); gleichzeitig die Auflösung von Geschlechterunterschieden (Androgynität) und zuletzt der Verlust einer heterosexuellen Norm.
Werfen wir einen genaueren Blick auf den zweiten Punkt, die Geschlechterdifferenz. Hier wird es direkt gendertheoretisch interessant.
“Critical Theory as applied mass psychology has led to the deconstruction of gender in the European culture. Following Critical Theory, the distinction between masculinity and femininity will disappear. The traditional roles of the mothers and fathers are to be dissolved so that patriarchy will be ended. Children are not to be raised according to their biological genders and gender roles according to their biological differences. This reflects the Frankfurt School rationale for the disintegration of the traditional family.”
(S. 20, meine Hervorhebungen)
Die Gefahr einer vermeintlichen „Auflösung“ von Gender (so die Interpretation von Dekonstruktion), als das Verschwinden der Differenz von Männlichkeit und Weiblichkeit, wird auch bei den deutschsprachigen Neuen Rechten gerne beschworen (vgl. z.B. das Buch der FPÖ-Politikerin Rosenkranz zu Gender Mainstreaming).
“Biological genders” ist in sich ein Paradoxon: Die Rede vom „biologischen sozialen Geschlecht“ (so müsste das übersetzt werden), lässt nur den Schluss zu, dass der Täter davon ausgeht, dass Frauen und Männer angeborene gesellschaftliche Rollen haben, also qua Geburt der Platz von Männern und Frauen in der Gesellschaft festgelegt ist, also Geschlecht Schicksal und ein gesellschaftlicher Platzanweiser ist. Gender wurde als Konzept eingeführt, um diese im Kern diskriminierende Weltordnung zu hinterfragen. Gender drückt das gesellschaftliche Geschlechterverhältnis aus, das menschengemacht und somit veränderbar ist (und ohnehin im steten Wandel ist).

Auch zum altbekannten Thema der Frauenquoten in Führungspositionen hat der Täter eine Meinung:
“Totalitarian feminists in Norway are threatening to shut down private companies that refuse to recruit at least 40 percent women to their boards (…) by 2007, a Soviet-style regulation of the economy in the name of gender equality.” (S. 336)

Die Verknüpfung von Antifeminismus und Antiislamismus wird in diesem Zitat deutlich:
“If all oppression comes from Western men, it becomes logical to try weakening them as much as possible. If you do, a paradise of peace and equality awaits us at the other side of the rainbow. Well congratulations to Western European women. You’ve succeeded in harassing and ridiculing your own sons into suppressing many of their masculine instincts. To your surprise, you didn’t enter a feminist Nirvana, but paved the way for an unfolding Islamic hell.” (S. 337)
Auch hier wird wieder eine genuine Männlichkeit beschworen, die durch „Westliche Frauen“ zerstört würde. Dabei ist die Zuschreibung eines männlichen Instinkts, der (wie er an anderer Stelle darlegt) natürlich kämpferisch ist, nicht nur frauen- sondern auch männerfeindlich. Denn von einer kriegerischen Männlichkeit abweichende Männlichkeitsmuster wären in der Konsequenz dann „abnorm“.

Vollkommen schrecklich werden seine Ausführungen, wenn er seine Bluttat vorauseilend rechtfertigt. In Kapitel 3.46 “Killing women on the field of battle directly or indirectly” schreibt er:
“On a personal level though; had it been up to me, women would not be encouraged to become system protectors at all - police officers nor military personnel. Females on average (of course; there are always exceptions) are physically and mentally inferior (aprox 20-30%) on a field of battle. I am not comfortable with the concept of killing females as they are simply too valuable to be put in harm’s way. However, we have little choice under the current regimes as they are encouraged and even positively discriminated against when applying to become system protectors in many countries.” (S. 924).
Der paternalistische Sexismus, der aus diesen Zeilen spricht, muss eigentlich nicht mehr interpretiert werden. Den Ausschluss von Frauen aus bestimmten Berufsfeldern zunächst zu legitimieren, um sie dann als „wertvoll“ zu bezeichnen, reduziert Frauen auf ihre Gebärfähigkeit. Implizit wird auch hier wieder eine krude Männlichkeitskonstruktion deutlich: Im Gegensatz zu den „wertvollen“ Frauen, so legt der Absatz nahe, könne man Männer dann ja bedenkenlos töten. 

Dies war nur ein kleiner und wenig systematischer Einblick in die Gedankenwelt des Attentäters. Der Text ist gespickt mit geschlechterreaktionären Positionen: Sexismus, Homophobie und Antifeminismus sind wesentliche Säulen des Gedankengerüsts auf die Breivik sein Handeln stützt. Wer sich mit dem Gedankengut der Neuen Rechten auch hierzulande beschäftigt, sieht die Überschneidungen der Themen und Argumentationsmuster auf den ersten Blick. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Konvolut einen Zweck erfüllt: Wer in Zukunft dieses Gedankengut bedient, wird damit rechnen müssen, auf die entsprechenden gedanklichen Analogien zu dem Attentäter hingewiesen zu werden.

Anmerkungen: In weiten Teilen übernimmt der Täter Passagen eines Bloggers namens Fjordman. Da sie somit Teil der Veröffentlichung sind, habe ich die übernommenen Zitate nicht gesondert als solche gekennzeichnet. Da das mir vorliegende Dokument keine Seitenzahlen hat, werden die Seitenangaben des pdf-Dokuments herangezogen.

Weiterer Artikel zum Thema: 
Goldberg, Michelle (2011): Norway Killer’s Hatred of Women. In: Newsweek: The Daily Beast, 24.07.2011. Url: http://www.thedailybeast.com/articles/2011/07/24/norway-massacre-anders-breivik-s-deadly-attack-fueled-by-hatred-of-women.html (27.07.2011).

Dieser wurde auch aufgegriffen von dieStandard (Österreich):
dieStandard (2011): Massaker in Norwegen: Täter getrieben von Hass auf Feministinnen. In: dieStandard, 26. Juli 2011. Url: http://diestandard.at/1310512178060/Massaker-in-Norwegen-Taeter-getrieben-vom-Hass-auf-Feministinnen (27.07.2011).

In diesem Zusammenhang auch lesenswert:
  • Kerner, Ina (2009): Differenzen und Macht: Zur Anatomie von Sexismus und Rassismus. Campus.
  • Gesterkamp, Thomas (2010): Geschlechterkampf von rechts: Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren. Friedrich-Ebert-Stiftung (Hg.): Wiso-Diskurs. Url: http://library.fes.de/pdf-files/wiso/07054.pdf (27.07.2011). 
  • Rezension von mir zum Buch der FPÖ-Politikerin Barbara Rosenkranz: "MenschInnen". Graz: Ares Verlag 2008, in: querelles-net, Jg. 10, Nr. 1 (2009), Url: http://www.querelles-net.de/index.php/qn/article/view/714